Dass das Unwort des Jahres mit der Flüchtlingsthematik zu tun hat, überrascht nicht. Und auch in unseren Nachbarländern stammen die Unworte aus diesem Bereich. Dabei war "Gutmensch" usprünglich gar nicht so negativ gemeint.

Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz und Österreich sind diesmal Unwörter des Jahres gewählt worden, die mit den vielen geflohenen Menschen zu tun haben. In der Schweiz entschied sich die Jury für "Asylchaos", obwohl längst nicht so viele Flüchtlinge in die Schweiz kamen wie nach Deutschland. "Es gab auch Einsendungen von Schweizern an die Jury für das deutsche Unwort des Jahres", sagt DRadio-Wissen-Reporterin Anna Driftmeier. Dazu gehörte zum Beispiel der "Flüchtlings-Tsunami" – analog zur "Flüchtlingswelle" in Deutschland.

"Dieses Jahr hatten wir ein besonderes Phänomen. Drei Viertel der Einsendungen kamen aus dem Bereich Flüchtlingsthematik."
Nina Janich, Sprachwissenschaftlerin und Jurymitglied für das Unwort des Jahres

In Österreich heißt das Unwort 2015 "besondere bauliche Maßnahmen". Damit hat die österreichische Innenministerin den neuen Grenzzaun zur Abschottung gegen Flüchtlinge bezeichnet. Österreich kürt darüber hinaus auch den Unspruch des Jahres. Er lautet 2015: "Ich bin kein Rassist, aber…"

Eigentlich gar nicht negativ gemeint

Das deutsche Unwort des Jahres, Gutmenschen, ist in seiner ursprünglichen Bedeutung gar nicht als abwertende Bezeichnung für hilfswillige Mitbürger gemeint gewesen. "Es wurde damals vor allem im linksalternativen Spektrum für Leute benutzt, die zu viel reden und zu wenig tun und war durchaus selbstironisch gemeint", sagt Anna Driftmeier. Zum Unwort wurde es nach Angaben der Jury erst in der aktuellen Flüchtlingsdebatte und durch seinen negativen Gebrauch.