Wenn aus Abfallprodukten neue Kreationen entstehen, ist das Upcycling. Und das ist vermutlich das Beste, was den mäßig attraktiven braun-grünen Polizeiuniformen passieren kann.

Die Polizei hat neue Uniformen bekommen: Grün war gestern und etwa in Bayern sind seit Sommer 2018 auch die letzten alten Uniformen aussortiert worden. Jetzt ist blau angesagt. Und Bayerns Polizei sitzt auf einem riesigen Berg von Uniformen, die kein Mensch mehr anziehen oder benutzen will. Sie müssen also in den Müll. Oder sie bekommen ein Upcycling: Abfallprodukte werden so wiederverwertet, dass sie einen neuen Zweck bekommen.

Upcycling: Neues Produkt aus Müll

Dafür müssen sie aber ihren muffigen Behördencharme verlieren, denn wirklich hip sieht so eine alte Uniform schließlich nicht aus. Für das Upcycling arbeitet Bayern mit Behindertenwerkstätten zusammen. Bereits 35 Tonnen grüner Jacken und brauner Hosen hat die "Barmherzige Brüder gemeinnützige Behindertenhilfe" zerschnitten, neu zusammengenäht, und als neue Accessoires verkauft.

"Ein Teil des Erlöses kommt auch der Bayerischen Polizeistiftung zugute", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz. "Die unterstützt Polizistinnen und Polizisten, die während des Dienstes verletzt wurden und besondere Fürsorge brauchen oder deren Angehörige."

"Die Stoffe der Dienstkleidung sind ja in der Regel sehr robust und deswegen gut geeignet für Oberflächen, die was aushalten müssen."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Neue Klamotten entstehen in den Behindertenwerkstätten nicht. Dafür aber ganz viele Varianten von Taschen: klassische Turnbeutel, Umhängebeutel, Einkaufstaschen, Rucksäcke und so weiter. Außerdem gibt es Picknickdecken, Sitzsäcke und aus alten Uniformknöpfen machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Werkstätten Schmuck. Da ist jedes Stück ein Unikat. Und ganz billig ist das auch nicht: Die Picknickdecke aus grünen Polizeiregenjacken kostet fast 200 Euro.

Vor allem aber: Es sieht überhaupt nicht mehr nach Polizei aus. "Sämtliche Abzeichen mit dem Landeswappen werden vorab abgetrennt und dürfen nicht weiter verwendet werden", stellt Martin Schütz fest. Als Polizist kann sich damit also niemand ausgeben.

Upcycling gibt es schon länger

Ganz neu ist die Upcycling-Idee aus Bayern nicht: In Rheinland-Pfalz wird das zum Beispiel seit 2013 gemacht. Und in Nordrhein-Westfalen gibt es noch ein anderes Upcycling Projekt: Da hübschen die Gefängnisse altes Zeug auf, Insassen der JVA Willich stellen aus alter Bettwäsche Notizbücher her.

Auch Taschen aus Zelt- oder Lkw-Planen gibt es. Und es gibt sogar ein ganzes Segelschiff, das nahezu komplett aus 30.000 alten, am Strand aufgesammelten und aus dem Meer gefischten Badelatschen besteht: Flipflopi. Vor allem aber ist Upcycling für die Mode spannend. In Amsterdam sammelt eine Firma alte Kaugummis und produziert daraus neue Schuhe: die Gumshoes.