In letzter Zeit waren viele Fahrradläden komplett ausverkauft. Da blieb manchen vielleicht nur noch das alte Rad aufzupolieren. Das ist ist aber manchmal gar nicht so leicht. Deshalb gibt es auch Fahrradwerkstätten, die beim professionellen Upcycling helfen können.

In der Werkstatt von Hendrik Schomann hängen die verschiedensten Radtypen an der Wand – von BMX über Hollandrad bis zum Trekking-Rad. Was hier in Köln Bickendorf als Hobbywerkstatt angefangen hat, ist mittlerweile eine kleine, professionelle Upcyclingwerkstatt. Hendriks Leidenschaft: Alte Radteile mit moderner Technik zu verbinden und daraus Radunikate zu bauen.

"Ich finde diesen optischen Spagat zwischen einem 46 oder 48 Jahre alten Rad und einem Fixed-Gear-Laufradsatz super."
Hendrik Schomann, baut in seiner Werkstatt Upcycling-Räder
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Aus alt mach Vintage

Die Basis für die neuen Räder von Hendrik bieten immer alte, zum Teil auch kaputte Fahrräder. Diese stammen häufig von Keller-Räumungen und wären sonst in der Schrottpresse gelandet. Manchmal bringen auch Leute ihre alten Räder direkt bei Hendrik vorbei, erzählt er.

Als erstes startet Hendrik meistens damit, die alten Räder komplett zu demontieren. Die Teile, die noch brauchbar sind, legt er dann zur Seite, die unbrauchbaren Teile kommen auf den Müll.

"Ich demontiere eigentlich jedes Rad komplett. Die Teile, die noch was können, die lege ich beiseite. Die Teile, die nichts mehr können, die muss ich dann auch in den Müll werfen. Das nutzt nix."
Hendrik Schomann, baut in seiner Werkstatt Upcycling-Räder

Für Hendrik ist es ein richtig kreativer Prozess, wenn es darum geht, zu überlegen, welche Teile wie am besten zusammenpassen würden. Manchmal kommen auch Kunden oder Kundinnen vorbei und haben besondere Vorstellungen – dann werde eben geschaut, was am besten für sie zusammenpasst.

Ein Upcycling-Rad in gelb
© Hendrik Schomann
Eines von Hendriks Upcycling-Rädern

Eine Zeit lang hat Hendrik auch Räder in ihrer Grundform schon vorgebaut und dann mit seiner Kundschaft noch die Feinschliffe wie Schaltung, verchromte Teile oder Farben besprochen. Kunden können aber auch alte Räder mitbringen, auf deren Basis dann gearbeitet wird, sagt Hendrik.

"Dann geht es um Style und dann spreche ich mit den Menschen: 'Okay - Möchtest du eine Schaltung? Möchtest du lieber schwarze Teile?' und baue mit denen gemeinsam in einem kreativen Prozess dieses Rad auf."
Hendrik Schomann, baut in seiner Werkstatt Upcycling-Räder

Sicherheitsrelevante Teile immer neu einbauen

Was Hendrik sehr wichtig ist: Teile, die für die Sicherheit sorgen, wie Bremsbeläge oder Ketten, baut er immer neu ein. Auch Alulenker tauscht er immer aus. Und klar ist auch: Hendriks Radkunstwerke sind keine Sportgeräte, sondern Alltagsräder – das sollte seinen Kunden und Kundinnen vorher klar sein.

Alltagsräder für einen guten Preis

Wie teuer diese Alltagsräder sind, liegt immer an dem individuellen Arbeits- und Materialaufwand. Wer nur Premium- oder Oldtimerteile verbaut haben möchte, zahlt mehr als für normale Teile. Billiger als bei einem Neurad kommt man aber auf jeden Fall, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Paulus Müller, der Hendrik in seiner Werkstatt besucht hat.

"Für deutlich weniger Geld als für ein vergleichbares Neurad kriegst du da ein echt gutes und vor allem individuell designtes Fahrrad."
Paulus Müller, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bei anderen Werkstätten gibt es beispielsweise auch die Möglichkeit, sich einen Bausatz zusammenstellen zu lassen und das Rad selbst zusammenzuschrauben. Das ist meistens noch günstiger als ein fertiges Rad, sagt Paulus Müller.

Werkstätten wie Hendriks "Einzelstk" gibt es in jeder größeren Stadt. Gleich in der Nähe von ihm befindet sich beispielsweise noch "Wunschrad" – ein Laden, der bereits fertige Upcycling-Räder verkauft. Ähnliche Angebote sind nicht nur in Köln, sondern auch in Hamburg, Berlin oder München zu finden.