Mit "Reisen" wird auf Dating-Profilen gerne mal geworben. Reisen macht attraktiv. Und schlau. Moment - wirklich? Kommt ganz drauf an, sagt die Philosophin Rita Molzberger.

Reisen. Damit verbinden wir in der Regel etwas Positives. Diese Aktivität wird ja gerne auch mal in Dating-Profilen angegeben. Da ist jemand am Fremden interessiert, kennt sich aus in der Welt - das macht attraktiv. In sozialen Medien posten die User, wo sie gerade sind - vermutlich nicht nur aus Informationszwecken. Und: Reisen bildet ja schließlich auch. Haben schon Kant und Goethe gesagt. Und vermutlich würde da jeder intuitiv zustimmen. Neue Kulturen, andere Sprachen und Sichtweisen - da lernen wir was, was wir vorher nicht kannten.

Das ist keine Reise

Und damit wären wir bei einem positiven Aspekt des Urban Hoppings. Denn wer viel unterwegs ist, der reist schließlich - und muss dann ganz schön gebildet sein. Und dank Facebook und Co. können wir unseren Bildungsfortschritt auch öffentlich machen.Da gibt es nur ein Problem:

Wenn wir unseren kleinen Trolli packen, da neben Tablet und Ladegerät die wichtigsten Sachen für ein verlängertes Wochenende einpacken und zur guten Freundin nach Rom fliegen, dann würden wir das klassischerweise nicht unbedingt als "Reise" oder "Urlaub" bezeichnen. Man fliegt halt einfach für drei Tage nach Rom. Eben so, wie wenn wir für drei Tage die Oma in Freiburg besuchen.

Schon aus sprachlicher Sicht handelt es sich beim Urban Hopping also nicht unbedingt um eine Reise. Da wäre also auch nichts, das bildet. In eine ähnliche Richtung argumentiert die Bildungsphilosophin Rita Molzberger von der Universität Köln. Sie sagt: "Horizonterweiterung findet vornehmlich da statt, wo man mit Differenz konfrontiert ist. Vielleicht ist aber inzwischen die Differenz zwischen einem kleinen deutschen Dorf und Berlin größer als die zwischen Köln und Rom."

Wandern in der Sächsischen Schweiz

Es lohnt sich, darüber nachzudenken: Sind wir beim Urban Hopping wirklich mit fremden Kulturen konfrontiert? Unterscheiden sich die Lebens- und Sichtweise so sehr, dass wir von Horizonterweiterung sprechen könnten?

Häufig vermutlich nicht - was nicht heißen soll, dass Urban Hopping nichts abzugewinnen ist, nicht zuletzt, weil es einfach Spaß macht. Falls jemand aber meint, er sei was Besonderes, wenn er erzählt, dass er letzte Woche mal eben in Mailand war - dem lässt sich gut begründet entgegen: Und ich war in der Sächsischen Schweiz wandern.