Manche KI-Anwendungen kreieren Bilder auf Grundlage eines Textes, den ihr eingebt. Was viele staunen lässt und Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet, erfreut aber nicht alle. Vorwurf: Die Tools verletzen Urheberrechte von Künstler*innen.

Programme wie Dall-E oder Stable Diffusion sind durchaus künstlerisch begabt. Sie können zum Beispiel individuelle Bilder im Stil Vincent Van Goghs erstellen. Das "Malen" lernen die Künstlichen Intelligenzen, indem sie mit Unmengen an Daten, Bildern und Texten aus dem Internet gefüttert und trainiert werden.

Matthew Butterick, ein Programmierer und Rechtsanwalt aus Los Angeles, hat jetzt eine Sammelklage gegen mehrere Unternehmen auf den Weg gebracht, die malende KI einsetzen: Stability AI, Midjourney und Deviantart würden Urheberrechtsverletzungen begehen, argumentiert Butterick, weil sie ihre jeweilige KI ungefragt mit Milliarden Bildern tausender Künstler*innen trainiert haben.

KI lernt, Künstler*innen werden nicht gefragt

Für viele heute arbeitende Künstler*innen bringen diese KI-Anwendungen zwei gravierende Probleme mit sich:

  • Die Künstler*innen haben der Verwendung ihrer Kunst als Trainingsmaterial für eine Kunst-KI nicht zugestimmt.
  • An möglichen Einnahmen durch die KI-Kunst sind sie nicht beteiligt.

Wenn Kunst-KI so weiterarbeiten wie bisher, sei abzusehen, dass sie die Künstler*innen irgendwann ersetzen.

Stehlen oder lernen?

Der Urheberrechtsexperte Christopher Jon Sprigman von der New York University sieht das anders: Die Systeme würden nicht stehlen, sondern nur lernen, argumentiert er bei Deutschlandfunk Kultur. Juristisch sei das in Ordnung: "Künstler besitzen ihren Stil nicht. Wenn andere Menschen so malen, dürfen sie das. (…) Ich glaube, warum viele Menschen gegen so etwas sind, liegt an der Angst, ersetzt zu werden."

Welcher Meinung sich die Gerichte anschließen werden, wird sich zeigen. Sollten sie der Position der Kläger*innen folgen, stünde die gesamte KI-Branche vor einem großen Problem – sie müssten dann Urheber entweder entschädigen oder beteiligen oder ihre Geschäfte einstellen.

Denn auch andere KI haben mit den Daten von Menschen trainiert, die man vorher nicht um Erlaubnis gefragt hat: Der Anwalt Matthew Butterick hat im November 2022 bereits eine Sammelklage gegen Microsoft, GitHub und den KI-Entwickler OpenAI eingereicht: KI-gestützte Programmierhilfen wie etwa der "GitHub Copilot" würden die Rechte einer Vielzahl von Open-Source-Entwickler*innen verletzen. Die Argumente klingen ganz ähnlich wie bei den Kunst-KI.

  • Moderation:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin