So ein paar hundert Euro zusätzlich zum Gehalt, wenn wir in den Urlaub fahren – das hätten wir wohl alle gerne. Haben wir aber nicht alle. Nur ungefähr die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen in Deutschland bekommt Urlaubsgeld – das sagt eine Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Jetzt hat die Stiftung die Ergebnisse veröffentlicht. Ilka Knigge aus unserem Team hat sie sich genauer angeschaut.

Der Grund, warum die Sache mit dem Urlaubsgeld unter Arbeitnehmern so ungleich ausfällt, liegt daran, dass es in Deutschland gesetzlich nicht geregelt ist. Anders als bei Urlaubstagen. Da hat jeder und jede einen Anspruch auf mindestens 20 Tage – vorausgesetzt die Angestellten arbeiten fünf Tage pro Woche.

Urlaubsgeld ist hingegen eine Zusatzleistung der Unternehmen. Die bekommen wir nur, wenn wir sie entweder ausgehandelt und im Arbeitsvertrag verankert haben oder wenn wir in einem Unternehmen arbeiten, das nach Tarifvertrag geregelt ist. Insgesamt wurden per Online-Befragung die Antworten von 120.000 Menschen ausgewertet. 47 Prozent sagen, sie bekommen Urlaubsgeld.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern, zwischen Ost und West

Urlaubsgeld bekommen eher Männer als Frauen, eher Menschen, die im Westen Deutschlands arbeiten und eher Arbeitnehmer, die in großen Unternehmen angestellt sind. Genauer: Es gibt bestimmte Branchen, in denen wir tatsächlich bessere Chancen haben, Urlaubsgeld zu bekommen. Laut Umfrage sind das Berufe im Bereich "Fertigung und Produktion", in der Chemie- und Metallindustrie und auch Technikerinnen und Ingenieure haben ganz gute Chancen, eine Zusatzzahlung zum Urlaub zu bekommen.

Thorsten Schulten leitet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Er sagt: "Bei den Beschäftigen mit Tarifvertrag kriegen mehr als zwei Drittel das Urlaubsgeld. Bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag sind es gerade mal ein Drittel." Hier liegt also einer der Gründe für die großen Unterschiede.

"Die Chance auf ein Urlaubsgeld ist in Unternehmen mit Tarifvertrag doppelt so hoch wie in einem Unternehmen ohne Tarifvertrag."
Thorsten Schulten leitet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung

Richtig mies sieht es hingegen in Dienstleistungsberufen und im Bereich "Medien und Gestaltung" aus. Da hat nur rund ein Drittel der Befragten angegeben, dass sie Urlaubsgeld bekommen. Am schlechtesten sieht es bei Callcenter-Jobs aus: Nur ein Viertel der hier Beschäftigten bekommt Geld für die Ferien.

Den Unterschied zwischen Frauen und Männern erklären die Sozialwissenschaftler damit, dass Frauen häufiger in Dienstleistungsjobs arbeiten und Männer eher in der Chemie- und Metallbranche.

Der Unterschied zwischen Ost und West wird damit erklärt, dass die Tarifbindung von Unternehmen im Westen höher ist. "Im Westen liegt sie noch bei etwa 54 Prozent, im Osten sind es um die 40 Prozent", sagt Thorsten Schulten von der Hans-Böckler-Stiftung.

"Es gibt deutlich weniger Unternehmen in Ostdeutschland, die unter einen Tarifvertrag fallen. Dementsprechend wird auch weniger Urlaubsgeld gezahlt."
Thorsten Schulten leitet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung

Die Chancen Urlaubsgeld zu bekommen sind höher, wenn wir in einem Unternehmen arbeiten, das an einen Tarifvertrag gebunden ist. Aber natürlich haben wir auch in jedem anderen Unternehmen die Möglichkeit – wenn wir den Arbeitsvertrag aushandeln – auch das Urlaubsgeld anzusprechen. In einigen Firmen ist es übrigens auch so geregelt, dass die Angestellten zwar kein Urlaubsgeld bekommen, dafür aber Zuschläge – wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld – mit ins Jahresgehalt einberechnet sind. Diejenigen, bei denen das der Fall ist geben aber dann bei so einer Umfrage trotzdem an: Ich bekomme kein Urlaubsgeld.