Seit den Anschlägen in der Türkei nimmt die Zahl der Touristen ab. Schlecht für die türkische Tourimusbranche, die darum richtig krasse Schnäppchen anbietet: Eine Woche, 4-Sterne-Hotel, Vollpension, mit Flügen für 300 Euro. Ist es moralisch in Ordnung, solche Schnäppchen zu buchen? Wir haben mit Rainer Erlinger drüber gesprochen.

Schon im Mai dieses Jahres verzeichnete die türkische Tourismusbranche 35 Prozent weniger ausländische Touristen als im Mai 2015. Die meisten ausländischen Touristen, die in die Türkei reisten, kamen 2015 übrigens aus Deutschland und Russland. Seit einiger Zeit reisen allerdings kaum noch Russen in die Türkei - aus politischen Gründen. Russland hat gegen die Türkei Sanktionen verhängt, seit die Türken im November 2015 ein russisches Militärflugzeug abgeschossen haben.

DRadio-Wissen-Reporter Johannes Döbbelt über Last-Minute-Angebote
"Die Schnäppchenangebote werden schon gut gebucht."

Auch die Anschläge am Istanbuler Flughafen werden sich negativ auf die türkische Tourismusbranche auswirken. Damit ist die Türkei nicht allein: Ägypten, Tunesien und Marokko haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Da bleibt der Tourismbranche oft nur eine Lösung: Schnäppchenangebote. Je billiger ein Urlaub, umso eher buchen wir ihn nämlich: 300 Euro für eine Woche im 4,5-Sterne-Hotel all inclusive mit Flügen. Dafür fahren viele Menschen dann doch gerne in die Türkei.

Die Türkei unterstützen - auch mit Schnäppchen

Rainer Erlinger findet das in Ordnung - auch wenn er eigentlich ein Gegner der Schnäppchenmentalität ist. "Gegen das Gefühl würde ich sagen: 'Ja das ist richtig'." Der Grund dafür: Wenn plötzlich niemand mehr in die Türkei fährt, wäre der Schaden für das Land noch größer. Darum geht Rainer Erlinger noch weiter: Wer der Türkei wirklich einen Gefallen tun möchte, der bucht nicht nur das Schnäppchen, sondern zahlt den Preis, den der Urlaub eigentlich gekostet hätte. Er weiß aber auch: "Nur kann man das, wenn es günstiger angeboten wird, kaum verlangen."

Dabei geht es auch um die innere Einstellung: Wer sich freut, dass in der Türkei Anschläge stattfinden, weil er dann einen günstigen Urlaub buchen kann, tut etwas Verwerfliches. Wer jetzt in die Türkei fährt und sich von den Anschlägen nicht beeinflussen lässt, der unterstützt das Land zumindest wirtschaftlich. "Dann ist er aber noch lange kein Wohltäter - aber auch kein Übeltäter", sagt Rainer Erlinger.

Wie wir uns verhalten, wenn im Urlaubsland ein Anschlag oder eine Katastrophe passiert?

Wenn wir gerade im Urlaub sind, während in unserem Urlaubsland ein Terroranschlag oder eine Naturkatastrophe stattfindet, müssen wir abwägen: "Die Achtung vor den Verunglückten oder Toten ist in dem Moment am wichtigsten." Eine Schweigeminute oder der pietätvolle Umgang mit der Situation sollten uns also wichtiger sein, als das Abklappern von Sehenswürdigkeiten.

Rainer Erlinger hat noch ein paar andere Tipps für Touristen auf Lager:

  • Interesse zeigen: wirklich mit den Einheimischen ins Gespräch kommen
  • Achtung zeigen: sich aufrichtig dafür interessieren, wie es ihnen geht
  • in Dialog gehen: "Menschen zeigen, dass man sie als Menschen wahrnimmt"
  • Großzügig sein: Wenn es irgendwo besonders günstig ist, können wir besonders großzügig Trinkgeld geben
"Wenn man das Gefühl hat: Eigentlich bin ich hier viel zu billig unterwegs, kann man mal ein großzügiges Trinkgeld an die Angestellten geben. Das ist auch kein Ablasshandel, weil es oft zulasten der Angestellten geht, wenn man sehr billig unterwegs ist."
Rainer Erlinger über das richtige Verhalten im Urlaub