• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Ungefähr fünf Millionen Haare haben die meisten von uns insgesamt am Körper. Manche Menschen lassen sie wachsen, andere waxen, rasieren, zupfen oder epilieren Teile davon oder direkt alle weg. Aber seit wann und warum entfernen wir eigentlich unsere Körperhaare?

Dass Frauen sich die Achseln und Beine rasieren, ist spätestens seit Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre auch in westlichen Kulturen die Norm. Viele Männer tun es inzwischen auch. Aber Körperhaar zu entfernen ist absolut kein Phänomen, das wir in jüngster Zeit erfunden haben.

Schon die alten Ägypter haben sich rasiert

Auf Wandmalereien, Bildern oder Vasen aus dem alten Ägypten zum Beispiel, aus der Zeit 4.000 vor Christus, kann man gut erkennen, dass die meisten Körper sehr haarlos sind. Nicht nur im Intimbereich, auch Augenbrauen sind abrasiert oder gezupft.

Die Techniken damals waren ganz ähnlich zu dem, wie wir uns heute die Haare entfernen. Es gab Rasiermesser aus Bronze, aber auch Pinzetten. Und eine Technik wie Waxing gab es damals auch schon.

Europäer beginnen spät mit Haarentfernung

Europa kommt erst dann in Kontakt mit Haarentfernung, als die ersten Europäer*innen auf dem amerikanischen Kontinent ankommen und entsetzte Berichte nach Hause schicken. Denn die indigene Bevölkerung ist quasi überall enthaart.

"Die indigenen Menschen haben ihr Haar auf die unterschiedlichsten Arten entfernt. Die Europäer*innen fanden das seltsam."
Rebecca Herzig, Historikerin

Die Historikerin Rebecca Herzig hat ein Buch über die Kulturgeschichte der Haarentfernung geschrieben und sagt, die Haarentfernung in der westlichen Welt hat sich auch wegen Charles Darwin durchgesetzt. Denn der spricht ja vom sexuellen Selektionsdruck bei der Evolution: Dass die Menschen sich gegenseitig als Menschen attraktiv finden, liegt daran, dass sie irgendwann das Fell der Tiere abgelegt haben. Das führt zu neuen gesellschaftlichen Normen, die damals breit diskutiert werden. Wissenschaftlich, aber auch gesellschaftlich, erklärt die Historikerin.

"Die Menschen haben angefangen, sich mit den Normen zu identifizieren und zum Beispiel gedacht, wenn man weiblich und behaart ist, dann ist das problematisch."
Rebecca Herzig, Historikerin

Haare haben aber nicht nur einen gesellschaftlichen Wert. Man kann mit den Haaren auch fühlen. Wie das sensorisch funktioniert, darüber spricht in "Eine Stunde Liebe" Martin Grunwalt. Er ist experimenteller Psychologe und Leiter des Haptik-Forschungslabors der Universität Leipzig und sagt: Enthaarte Körper sind weniger sensibel. Theoretisch zumindest.

Intimbehaarung

An anderer Stelle haben wir uns in "Eine Stunde Liebe" auch schon mit Körperbehaarung beschäftig. Kristina Lang hat uns erzählt, wie es für sie war, als 27-Jährige alle Haare am Körper einfach wachsen zu lassen und was für verletzende Reaktionen sie daraufhin bekommen hat. Nachhören und -lesen könnt ihr das hier.