Die Anhänger der Demokraten haben nach Bekanntwerden des Wahlsiegs Joe Bidens auf den Straßen und vor dem Weißen Haus gefeiert. Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, aber am Sieg des demokratischen Kandidaten werden sie nichts mehr ändern. Schon jetzt ist klar, dass die Amtsübergabe schwierig werden wird, sagt Dlf-Korrespondent Marcus Pindur.

Der Dlf-Korrespondent in Washington, Marcus Pindur, beschreibt die Lage vor Ort als ruhig. Dort ist gerade der Morgen angebrochen. Viele Anhänger von Joe Biden und Kamala Harris haben in der Nacht ausgelassen gefeiert. Viele Jüngere haben Party gemacht, weil der amtierende US-Präsident Donald Trump abgewählt wurde. Aber auch Ältere hätten auf den Straßen mitgefeiert.

Trump erkennt seine Niederlage nicht an

Problematisch wird aber jetzt der Übergang vom alten zum neuen Präsidenten, sagt Marcus Pindur. Normalerweise ruft der abgewählte Präsident den neuen an, gratuliert ihm zur Wahl, lädt ihn ins Weiße Haus ein und organisiert mit ihm die Übergabe.

Dafür würde dann das Amtsübergabeteam von Joe Biden im Weißen Haus sich eine Überblick verschaffen. Weil aber Donald Trump sich als Opfer von Wahlbetrug sieht und juristische Schritt einleiten will, ist diese Übergabe blockiert, sagt Marcus Pindur.

"Der Prozess der Amtsübergabe ist gefährdet."
Marcus Pindur, Dlf-Korrespondent in Washington

Nur wenige Republikaner fordern Donald Trump auf, die Realität und den Sieg Joe Bidens anzuerkennen. Sein Schwiegersohn Jared Kushner soll sich laut Gerüchten bemühen, ihn von seiner Niederlage zu überzeugen. Doch die große Mehrheit in der republikanischen Partei schweigt dazu, sagt der Dlf-Korrespondent.

"Im ganzen Land hat eine große Entspannung und Erleichterung eingesetzt."
Marcus Pindur, Dlf-Korrespondent in Washington

Große Hoffnungen ruhen auch auf der designierten Vize-Präsidentin Kamala Harris, die die Verbindung zum Linken-Flügel in der demokratischen Partei und zu den Minderheiten halten soll. Sie ist die erste Vize-Präsidentin mit jamaikanischen und indischen Wurzeln , sagt Marcus Pindur.

Kamala Harris hat sich bei der breiten Koalition innerhalb der demokratischen Partei bedankt, sagt Marcus Pindur. Ohne diese wäre ein Wahlsieg nicht möglich gewesen. Joe Biden hat ebenfalls diese breite Koalition gewürdigt und sich auch ausdrücklich bei der schwarzen Bevölkerung für die Unterstützung bedankt.

"Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist."
Kamala Harris, designierte US-Vizepräsidentin

Die große Aufgabe der beiden Wahlsieger wird es sein, gerade aus den hart umkämpften und republikanischen Staaten, die republikanischen Abgeordneten einzubinden. Vor allem auch vor dem Hintergrund, wenn der Senat wieder von der republikanischen Partei dominiert wird, meint Marcus Pindur.

International große Hoffnungen auf neue Regierung

International haben viele Regierungen dem Wahlsieger gratuliert. Die Hoffnung ist groß, dass die transatlantischen Bündnisse mit Joe Biden als US-Präsident wieder gestärkt werden. Der Wahlsieger kündigte auch an, dem Pariser Klimaschutzabkommen wieder beizutreten und auch die Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsbehörde zu intensivieren.

Die Konflikte zwischen Deutschland und den USA wegen Nord Stream 2 oder den Rüstungsausgaben für die Nato werden auch unter Joe Biden bleiben, aber der Ton, wie sich die Regierungen darüber verständigen werden, wird wieder ein partnerschaftlicher werden, sagt der Dlf-Korrespondent.

Zwei Senatssitze gehen ins Stechen

In den USA wurden nicht nur ein Präsident, sondern auch die 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der 100 Senatoren gewählt. Joe Biden wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus setzen können.

Bis zum Mittag am 8. November hatten sie 214 der mindestens 217 Mandate sicher. Bei den Wahlen zum US-Senat müssen zwei Senatssitze im Bundesstaat Georgia am 5. Januar in einer Stichwahl entschieden werden. Die Demokraten müssten beide für sich entscheiden, um auch dort die Mehrheit zu erlangen.

Der Senat hat entscheidenden Einfluss, wie ein Präsident seine Agenda umsetzen kann. Er bestätigt auch hochrangige Regierungsmitarbeiter wie Minister sowie Richter am Obersten Gericht. Bei einem Amtsenthebungsverfahren spielt der Senat die Rolle eines Gerichts.

Die Auszählungen der Stimmen dauern unterdessen in Georgia, Nevada, Arizona, North Carolina und Alaska an.