Es sieht derzeit danach aus, als könne nichts und niemand mehr Donald Trump aufhalten auf seinem Weg zur Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner. Außer vielleicht das Hacker-Kollektiv Anonymous.

Der Republikaner Donald Trump konnte am zweiten Super-Tuesday in den USA vier wichtige Bundesstaaten und wertvolle Delegiertenstimmen gewinnen. Jetzt hat sich das Hacker-Kollektiv Anonymous gemeldet und den "totalen Krieg" gegen Trump ausgerufen. Und es ist tatsächlich so, dass Anonymous diesen von den Nazis geprägten Begriff für ihre Kampagne gegen Donald Trump verwendet, denn "total" heißt aus ihrer Sicht: Wir richten uns nicht nur an die User mit Hacker-Erfahrung, sondern an alle und nutzen dafür auch alle zur Verfügung stehenden digitalen Waffen.

Der Mitmachaufruf von Anonymous für die #OpTrump richtet sich an alle. Nicht nur an diejenigen, die die Kampagnenseite von Trump attackieren können, sondern schlicht an alle, die der Kampagne des Milliardärs schaden können. Zum Beispiel, weil sie unliebsame Dinge über Trump veröffentlichen. Das Kollektiv selbst hat Trumps angebliche Sozialversicherungsnummer veröffentlicht und eine Handynummer, die ihm gehören soll.

Lahmgelegte Webseiten

Die Frage ist: Muss sich Trump wirklich vor Anonymous fürchten? "Da muss man wohl die technische und politische Ebene unterscheiden", sagt DRadio-Wissen-Netzautor Andreas Noll. Trumps Kampagnenseite sei schon in den vergangenen Monaten immer wieder Ziel vonDDos-Angriffen gewesen und vorübergehend lahmgelegt worden. Und bereits im Dezember ist Anonymous offenbar an der Attacke auf die Website des Trump-Towers in New York beteiligt gewesen.

"Politisch muss man fragen, ob eine solche Attacke dem Politiker nicht noch mehr Wähler verschafft. Weil er sich wieder als Opfer präsentieren kann."
Andreas Noll, DRadio-Wissen-Netzautor

Der Stichtag für die neuen Attacken soll der 1. April sein. Dann sollen alle Seiten des Unternehmers und Politikers angegriffen werden. "Das dürfte dann auch sicherlich kurzfristig klappen", sagt unser Netzautor, "langfristig sind solche Attacken aber meist nicht effektiv." Das habe sich bei anderen Angriffen gezeigt, zum Beispiel bei der sogenannten Operation Payback zur Unterstützung von Wikileaks. Da brachen zwar die Server der Kreditkartengesellschaften kurzzeitig zusammen, aber dann ging das Geschäft ganz normal weiter.

"Kann also am Ende gut sein, dass der Kampf gegen Donald Trump Anonymous mehr Probleme bereitet als dem Politiker."
Andreas Noll, DRadio-Wissen-Netzautor

Dazu kommt: Die Anonymous-Bewegung ist sehr heterogen und hat wechselnde Mitglieder. Darum sind auch nicht alle immer einer Meinung. Es gibt sogar innerhalb des Kollektivs eine Gegenmeinung und ein zweites Video, das davon ausgeht, eine Kriegserklärung an Trump könne auch ein Eigentor sein. Anonymous sehe sich als Kämpfer für Meinungs- und Pressefreiheit. "Einen Präsidentschaftskandidaten zu bedrohen, damit er seinen Mund hält, ist Zensur", so die Stimme in dem Video.