In einem Essay für das Magazin Glamour erklärt Barack Obama, warum er Feminist ist. Die wichtigsten Menschen in seinem Leben waren Frauen schreibt er: seine alleinerziehende Mutter, seine Frau Michelle, seine Töchter Sasha und Malia. Die Journalistin und Amerikanistin Rieke Havertz erklärt uns, ob der Präsident der USA es mit dem Feminismus auch wirklich ernst meint.

In der Glamour schreibt Barack Obama, dass er als Vater von zwei Töchtern mitbekommt, das in unserer Gesellschaft immer noch Stereotype von Männer und Frauen existieren. Er selbst habe als junger Mann versucht möglichst maskulin und männlich zu wirken. Ein Vorbild habe er als Sohn einer alleinerziehenden Mutter nicht gehabt. Irgendwann sei ihm klar geworden, dass er kein harter Kerl sein muss, sondern einfach nur er selbst. Er wünscht sich, dass wir mit diesen Männer- und Frauenbilder brechen: Frauen müssten nicht zurückhaltend sein und Männer nicht draufgängerisch. Und er nennt noch viele andere Überzeugungen, die wir ändern müssen. Zum Beispiel die, dass Mädchen nicht zu laut aufmucken dürfen und Jungs nicht weinen dürfen.

Rieke Havertz glaubt, dass vor allem Barack Obamas eigene Biografie und seine Frau Michelle dazu beigetragen haben, dass er sich während seiner Amtszeit immer wieder mit Geschlechtergerechtigkeit und gleicher Bezahlung von Männern und Frauen auseinandergesetzt hat. "Mit Michelle Obama hat er eine starke und selbstbewusste Frau an seiner Seite, so dass seine Voraussetzungen, sich diesen Themen als Präsident anzunehmen, sehr gut sind."

Obama - der eingeschränkte Feminist

Während Obamas Amtszeit wurde in den USA unter anderem "Obamacare" beschlossen. Das Bundesgesetz regelt den Zugang aller Amerikaner zur Krankenversicherung. Seitdem sind zum Beispiel Verhütungsmittel für Frauen kostenlos. 2009 hat Obama außerdem den Fair-Pay-Act ins Leben gerufen: Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern müssen der Regierung offenlegen, was ihre Mitarbeiter verdienen - aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Hautfarbe. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass in Sachen Geschlechtergerechtigkeit alles gut ist in den USA, sagt Rieke Havertz. "Es gibt nach wie vor große Probleme in den USA, wenn es um Kinderbetreuung geht, wenn es um Mutterschutz, wenn es um bezahlte Elternzeit geht. All diese Dinge, die bei uns normal sind, sind in den USA nicht existent. Daran haben auch sieben Jahre Obama nichts geändert."

"Obama hat viel getan, um diese Themen auf die Agenda zu setzen und in der amerikanischen Gesellschaft weiter zu verankern, dass Frauen gleiche Rechte, gleiche Bezahlung und alle Freiheiten verdient haben."
Rieke Havertz über Obamas Engagement für die Gleichstellung von Frauen und Männern

Der republikanische dominierte Kongress wollte zum Beispiel Gelder für die Organisation Planned Parenthood streichen, die sich um Gesundheitsfürsorge für Frauen und auch um Abtreibung kümmert. Dagegen hat Barack Obama sein Veto eingelegt. Rieke Havertz ist der Ansicht, dass Barack Obama eine feministische Seite hat. Als Präsident konnte er diesbezüglich trotzdem nur eingeschränkt agieren - auch weil er meist mit einem republikanisch dominierten Kongress zusammenarbeiten musste. Sein Artikel für die Glamour sei allerdings nicht nur reine PR.

"Ich bin mir sicher, dass Barack Obama tausendmal mehr Feminist ist, als ein potenzieller Präsident Trump."
Rieke Havertz über den Feministen Barack Obama