Eine neue Studie zweifelt daran, dass US-Websites, die Fake News verbreitet haben, tatsächlich so viel Einfluss darauf hatten, wie sich die Wählerinnen und Wähler bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 entschieden haben.

Für ihre Studie haben drei Forschende aus den USA und Großbritannien die Daten von 2525 Teilnehmern ausgewertet. Mithilfe des Browserverlaufs ihres Computers, den alle Befragten freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, konnten die Wissenschaftler sehen, welche Websites die Probanden im Zeitraum vom 7. Oktober bis zum 14. November 2016 besucht hatten. Die US-Präsidentschaftswahl hat am 8. November 2016 stattgefunden. Die Daten über die angeklickten Websites wurden mit dem Wahlergebnis abgeglichen.

"Diese Filterblasen-Behauptung, dass sich viele nur noch über so unseriöse Quellen informieren lassen und sonst nichts lesen, da zeigt die Studie: Das ist ziemlicher Quatsch."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Fünf Schlüsse haben die Forschenden aus ihrer Studie gezogen:

1. Rund 44 Prozent der Befragten, die bei der US-Wahl 2016 gewählt haben, haben auch Websites besucht, die Fake News verbreiten. Allerdings hatten diese Websites nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Nachrichten-Konsum der Studienteilnehmer, nämlich 6 Prozent.

2. Doppelt so viele Trump-Wähler haben sich Fake-News-Websites angesehen wie Clinton-Wähler, wenn man die Zahlen vergleicht. Außerdem kamen insgesamt etwa zwei Drittel der Seitenaufrufe von den 20 Prozent der US-Amerikaner, die ohnehin Nachrichten von sehr konservativen Medienhäusern konsumieren.

"Aus der Studie geht auch nicht klar hervor, wie stark die Fake-News-Seiten die Meinungsbildung geprägt haben. Es kann sein, dass du nur kurz auf so einer Seite warst, das aber keinen großen Eindruck hinterlassen hat."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

3. Die Studien stellte außerdem fest, dass die Befragten nicht auf bestimmte Websites gestoßen sind, weil sie nach speziellen Themen im Netz gesucht hatten. Sie sind vor allem über Facebook und ihre persönliche Themen auf Artikel von Fake-News-Websites aufmerksam geworden und hatten diese angeklickt.

4. Nur 44 Prozent der Leute, die eine Fake-News-Seite besucht haben, haben auch eine Website besucht, die Faktenchecks anbietet. Oft waren das aber keine Faktenchecks zu Artikeln, die die Befragten zuvor gelesen hatten. Nicht einmal 3 Prozent hatten zuvor im Netz einen Text mit falschen Informationen gelesen, der dann auf der Fakten-Check-Seite analysiert und bewertet wurde. Daraus haben die Studienautoren abgeleitet, dass Fakten-Check-Seiten insgesamt gesehen eher selten gelesen werden.

5. Die Nutzer, die vorwiegend verlässliche Nachrichtenseiten angeklickt hatten, haben auch die Fake-News Seiten am häufigsten besucht. Das bedeutet, wenn eine Person Fake News konsumiert, schließt das nicht aus, dass sie auch seriöse Nachrichtenseiten liest.

"Es ist ein bisschen schade, dass in der Studie nur Computer- und Laptop-Daten ausgewertet wurden, keine Smartphone- und Tablet-Daten. Das war auch 2016 schon ziemlich relevant."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Mögliche Kritikpunkte an der Studie

Dass nur Computer- und Laptop-Daten ausgewertet, aber keine Smartphone- und Tablet-Daten, kann kritisiert werden. Denn diese Geräte waren schon 2016 weit verbreitet und wurden häufig genutzt. Außerdem geben die gesammelten Daten nur Auskunft über tatsächlichen Besuche auf den Fake-News-Seiten. Wenn die Studienteilnehmer nur die Überschrift und den Vorschautext gelesen haben, der bei Facebook angezeigt wird, aber nicht auf den Link geklickt hatten, dann gab es keine Daten darüber, die in der Studie ausgewertet werden konnten.

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt: Aus der Studie gehe nicht klar hervor, wie stark die Fake-News-Seiten die Meinungsbildung geprägt haben. Denn theoretisch ist es möglich, dass eine Person eine Website nur kurz besucht, diese aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Trotz dieser möglichen Kritikpunkte bewerten Experten diese Studie als gelungen.