Donald Trump hat in Washington den russischen Außenminister Sergej Lawrow empfangen - nur einen Tag, nachdem er FBI-Chef James Comey gefeuert hat.

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch (10.05.) den russischen Außenminister Sergej Lawrow im Weißen Haus empfangen. Der zeigte sich vor der Presse sehr überrascht und schien nichts davon zu wissen, dass Trump tags zuvor FBI-Chef James Comey gefeuert hatte.

Überraschende Entlassung

Brisant ist das deshalb, weil die US-Bundespolizei derzeit untersucht, welche möglichen Kontakte zwischen Trump-Vertrauten und Russland bestehen, und ob die einen Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl hatten. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland versucht hat, die Wahl zugunsten von Trump zu beeinflussen.

"Die offizielle Begründung der Entlassung ist relativ fadenscheinig. Nein, es geht hier wirklich darum, dass Donald Trump möglicherweise befürchtet hat, dass Comey immer mehr Erkenntnisse über die Verbindungen des Trump-Teams zu russischen Geheimdienst-Leuten gesammelt hat."
Thilo Kößler, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Washington

Der russische Botschafter war vor Ort

Offiziell ging es bei dem Treffen zwischen Trump und Lawrow nicht um den Fall Comey, das hat Trump gesagt. Unser Korrespondent Thilo Kössler ist da aber skeptisch: "Es ist ja so, dass die gesamte amerikanische Innenpolitik unter dem Vorzeichen dieser Russland-Connection steht."

Außerdem war bei dem Treffen noch eine weitere Person anwesend: der russische Botschafter in Washington, Sergej Kisljak.

"Sergej Kisljak ist eine zentrale Figur in dieser ganzen Russland-Connection. Über die Kontakte zu Kisljak ist der ehemalige nationale Sicherheitsberater Michael Flynn gestolpert."
Thilo Kößler, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Washington

Annäherung in der Syrien-Frage?

Bei dem Treffen gab es allerdings tatsächlich viele andere Themen zu besprechen: Syrien etwa. Nach der Begegnung mit Lawrow zeigte sich Trump zuversichtlich, dass eine Annäherung an Russland in der Syrien-Frage möglich sei: "Ich denke, wir werden sehr gute Dinge hinsichtlich Syriens tun. Die Dinge bewegen sich, das ist sehr positiv", sagte er.

Lawrow ist der bislang ranghöchste russische Gesprächspartner, mit dem Trump sich seit seinem Amtsantritt getroffen hat. Dass Lawrow im Oval Office empfangen wurde, ist an sich schon ein Akt von besonderer Symbolik: Normalerweise trifft der Präsident dort die Staats- und Regierungschefs.