Im US-Wahlkampf hat Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour Hillary Clinton unterstützt. Jetzt will sie Donald Trumps Gattin Melania aufs Cover der Vogue bringen. Wie geht das zusammen?

Die US-Vogue und ihre Chefredakteurin Anna Wintour sind spätestens seit "Der Teufel trägt Prada" vielen Menschen ein Begriff. In der Modeszene ist die US-Vogue eines der wichtigsten Magazine - stilistisch und inhaltlich. Das betrifft auch die Frauen, die es auf das Cover der Vogue schaffen. Für Models ist ein Vogue-Cover ein riesiger Karriereschritt - manche wie Gisele Bündchen oder Kate Moss kommen gleich mehrmals drauf.

Doch die US-Vogue arbeitet für ihr Cover nicht nur mit Models, sondern auch regelmäßig mit den First Ladys der USA. Einer Tradition zufolge bekommt jede First Lady ein eigenes Vogue-Cover. Michelle Obama hat das sogar drei Mal geschafft. Das hatte auch mit ihrer besonderen Persönlichkeit zu tun, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Kathrin Müller: Michelle Obama war in ihrer Zeit im Weißen Haus nicht nur Präsidentengattin, sondern auch Stilikone und hatte eine Vielzahl an eigenen Themen.

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Wenn es sich bei der First Lady allerdings um Melania Trump handelt, scheiden sich plötzlich die Geister an dieser Tradition. Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour hat sich dazu klar positioniert und gesagt: "We have a tradition of always covering whoever is the first lady at Vogue and I can’t imagine that this time would be any different." Und das obwohl sie sich im Wahlkampf noch für Hillary Clinton engagiert hat. Kritiker werfen ihr jetzt vor, mit ihren eigenen Prinzipien zu brechen.

Wir haben darüber mit der Kommunikationswissenschaftlerin Kathrin Müller gesprochen. Die sagt, dass Anna Wintour Hillary Clinton vor allem als Frau unterstützt hat: "Das ist eine wichtige Botschaft, die auf eine Modezeitschrift wie die Vogue gehört."

"Anna Wintour hat sich dafür ausgesprochen, dass Hillary Clinton Präsidentin werden soll. Dabei hat sie zum Ausdruck bringen wollen, dass sie es begrüßt, dass eine Frau Präsidentin wird."
Kathrin Müller über Anna Wintours Engagement für Hillary Clinton

Anna Wintour im Zwiespalt

Kathrin Müller kann die Entscheidung Anna Wintours Melania Trump aufs Cover der Vogue zu heben aus verlegerischer Sicht nachvollziehen: Die First Lady der USA ist eine öffentliche Person, viele Leser interessieren sich für sie. Für ein Magazin wie die Vogue ist es aus inhaltlicher und wirtschaftlicher Sicht interessant, über die First Lady zu berichten. Anna Wintour muss diesen Spagat zwischen ihren persönlichen Überzeugungen und beruflicher Notwendigkeit hinbekommen.

"Wenn Anna Wintour für die Vogue über Titelbilder entscheidet, agiert sie als Verlegerin. In dieser Rolle ist es sinnvoll, Melania Trump aufs Cover zu heben, weil die Leser etwas über diese Person wissen wollen."
Katrin Müller über Anna Wintours Entscheidung, Melania Trump aufs Cover zu bringen.

Journalisten in der Pflicht

Eine First Lady ist keine Politikerin, sagt Kathrin Müller. Sie steht für bestimmte Themen und macht den Präsidenten als Person sichtbar. Mit einem Cover auf einem wichtigen Magazin wie der Vogue kann die Präsidentengattin zum Beispiel dazu beitragen, das Image des Präsidenten zu verbessern. Problematisch wäre ein Vogue-Cover, wenn Melania Trump zwei Dinge vermischt: Ihre Funktion als First Lady und mögliche geschäftliche Interessen. Es sei Aufgabe der Vogue darauf zu achten, was sie über Melania Trump im redaktionellen Teil berichtet. "Es ist Aufgabe der Medien genau aufzupassen und den Personen aus der Familie Trump kein Forum zu bieten, um Werbung für ihre Produkte zu machen."

"Wenn sie auf dem Cover so einer wichtigen Zeitschrift erscheint, kann sie das Image des Präsidenten verbessern."
Kathrin Müller über die Bedeutung eines Vogue-Cover für