US-Präsident Barack Obama spricht heute mit Vertretern amerikanischer Urvölker auf der Tribal Nation Conference im Weißen Haus. Die Konferenz ist ein Zeichen für den besonderen Umgang Obamas mit den sogenannten Indianern. Christer Garrett, Professor für Amerikanische Kultur und Geschichte an der Uni Leipzig, erklärt uns die Ureinwohner-Politik.

Die Ureinwohner der USA, häufig Indianer genannt, haben eine Sonderrolle in Nordamerika. Sie leben in Reservaten, genießen bestimmte Sonderrechte und im Laufe der Geschichte sind ihnen auch viele Rechte genommen worden. Insgesamt gibt es mehr als 550 ursprüngliche Indianer-Völker. Und deren Vertreter werden heute im Weißen Haus empfangen. Die einzelnen Stämme haben in ihren Reservaten eine Art Länderhoheit. Sie dürfen also auf ihrem Gebiet Wirtschaftspolitik betreiben, Steuern erheben, Casinos aufmachen.

"In jedem Bundesstaat kann man Ureinwohner finden, mit ganz besonderen Rechten, eine Art Souveränität."
Christer Garrett, Professor für Amerikanische Kultur und Geschichte an der Uni Leipzig

Das Problem ist: Amerikanische Ureinwohner waren ursprünglich Jäger und Sammler, haben Pferde gezüchtet oder Büffel gejagt. Sie bewegten sch dabei über weite Gebiete hinweg. Dann kamen die europäischen Siedler nach Nordamerika. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten sie so gut wie alle Indianervölker unterworfen. Seitdem leben sie in Reservaten, in Gegenden, die für ihre Unterwerfer relativ uninteressant waren, also in eher unfruchtbaren stark begrenzten Gebieten. Zunächst waren die Ureinwohner abhängig von den Siedlern. Sie erhielten Lebensmittelrationen, doch das wurde auf die Dauer zu teuer. Deshalb handelte man Sonderrechte mit ihnen aus, damit die Ureinwohner Wege finden konnten, sich selber zu finanzieren.

"Obama gestaltet eine Ureinwohner-Politik, die wir lange Zeit nicht gesehen haben, auch nicht während der Clinton-Ära in den 90er Jahren."
Christer Garrett, Professor für Amerikanische Kultur und Geschichte an der Uni Leipzig

Zu diesen Sonderrechten zählt zum Beispiel das Betreiben von Casinos. Zum Hintergrund: Glücksspiel ist in vielen Bundesstaaten verboten, für Reservate kann das also eine sprudelnde Einnahmequelle sein.Das bringt einerseits Geld ein, gleichzeitig sind damit aber auch große Probleme verbunden, wie zum Beispiel Spielsucht, Familienprobleme - alle Probleme, die überall in Gesellschaften im Zusammenhang mit der Existenz von Casinos auftreten. Wenn der US-amerikanische Präsident Barack Obama sich jetzt mit Vertretern der Ureinwohner trifft, um sich ihre Probleme und Anliegen anzuhören, dann ist das ein starkes Zeichen. Denn insgesamt bekommen Indianer, die ein Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, bis heute wenig Aufmerksamkeit in den USA.