US-Moderator Tucker Carlson wiederholt im Sender Fox News, eines der rechtsgerichteten US-Medien, russische Propaganda. Zwischen den Rechten in den USA und Russland gibt es schon lange enge Verbindungen, sagt Annika Brockschmidt, Konfliktforscherin und Journalistin.

Annika Brockschmidt beobachtet die politische und religiöse Rechte in den USA seit Langem und hat darüber das Buch "Amerikas Gotteskrieger - Wie religiöse Rechte die Demokratie gefährden" geschrieben. Politische und religiöse Rechte in den USA stehen seit dem Ende der Sowjetunion an der Seite Russlands, sagt die Konfliktforscherin und Journalistin.

Übereinstimmungen zwischen Rechten in den USA und russischen Rechten

In den 1990er Jahren haben Rechte in den USA, nachdem das Feindbild "Kommunismus" verschwunden war, Beziehungen zu Russland und Wladimir Putin geknüpft. Eine solche enge Beziehung zwischen einem Amerikaner und zwei Russen führte zur Gründung des World Congress of Families, einer Art globaler Dachorganisation der extremen religiösen Rechten. "Genauso gibt es zwischen den Republikanern und der russischen Rechten seit Jahren etablierte Beziehungen", sagt Annika Brockschmidt.

Rechte in den USA sowie rechtsgerichtete Medien wie Fox News würden mit russischen Rechten bei der Ablehnung einer multiethnischen und pluralistischen Demokratie übereinstimmen.

"Man ist sich einig, was die Ablehnung von Rechten für LGBTQ-Menschen angeht."
Annika Brockschmidt, Konfliktforscherin und Journalistin

Die engen Beziehungen würden sogar so weit gehen, dass die religiöse Rechte in den USA an Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetz beteiligt gewesen sei, berichtet Annika Brockschmidt. Für sie ist es kein Zufall, dass der russische Präsident Wladimir Putin von Cancel Culture spreche und gegen "awoke" Eliten poltere, Menschen, die sich der Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen bewusst sind. Er zeige sich als eine autoritäre Führerfigur, die auch mit Gewalt eine Gesellschaft durchsetzen wolle, "in der weiße, rechtskonservative Christen das Sagen haben und Frauen ihren Platz kennen, nämlich zu Hause".

"Diese Punkte sind hier zentral, und deswegen sind Figuren wie Orban und Putin Vorbilder nicht nur für die amerikanische, sondern auch für die globale Rechte."
Annika Brockschmidt, Konfliktforscherin und Journalistin

Unklare Haltung der Republikaner

Die Position der Republikaner in Bezug auf Wladimir Putin und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei von außen betrachtet etwas irritierend. Inzwischen verurteilen die Republikaner zwar den Krieg, aber gleichzeitig würden sie ausweichen. Denn vor dem Angriff auf die Ukraine gab es von Republikanern "viel Lob für Putins performative Männlichkeit, seine Anti-LGTBQ-Gesetzgebung und seine Zentrierung eines weißen Christentums". Die Gefahr für die Ukraine sei heruntergespielt worden.

Jetzt, da Bilder von russischen Kriegsverbrechen in der Öffentlichkeit sind, habe das zwar nicht zu einem Sinneswandel bei den Republikanern geführt, aber die Lobeshymnen seien verstummt und sie hätten sich eher auf das "Säbelrasseln a la kalter Krieg verlegt".

"Auch um die Öffentlichkeit vergessen zu lassen, dass man sich ja bis vor Kurzem noch äußerst positiv über Putin geäußert hat."
Annika Brockschmidt, Konfliktforscherin und Journalistin

Republikanischen Politikern gelinge es indes immer noch, Wladimir Putins "maskuline Stärke" indirekt zu loben, indem sie beispielsweise behaupten würden, die Schwäche von US-Präsident Jo Biden sei schuld daran, dass Wladimir Putin die Ukraine angegriffen hat.

Aber auch wenn es diese Zustimmung unter Republikanern und den Rechten in den USA zu Russland gibt, ist die Beliebtheit Wladimir Putins in den USA bei rund 1 Prozent und ähnlich hoch wie für Saddam Hussein. Für Annika Brockschmidt heißt das ganz klar, dass es in den USA keine Mehrheit gibt, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine befürworte.

Der gefährliche Einfluss Tucker Carlsons

Daran kann auch eine reichweitenstarke Nachrichtensendung wie die Tucker Carlson Show nichts ändern. Zwar würden rechtsgerichtete Medien wie Fox News nicht offen für den Krieg gegen die Ukraine argumentieren, aber sie verbreiten, wie einige Republikaner auch, gezielt russische Propaganda, so die Journalistin.

"Diese antidemokratische Ideologie, die antipluralistisch, nativistisch und christlich nationalistisch geprägt ist, die die amerikanische Rechte in Putin sieht, ist nach wie vor der Kern ihres eigentlichen politischen Projekts."
Annika Brockschmidt, Konfliktforscherin und Journalistin

Der Einfluss Tucker Carlsons und der republikanischen Erzählung, Joe Biden stelle die größere Gefahr für die USA dar, sei das Gefährliche, sagt Annika Brockschmidt. Die Demokraten würden "als zutiefst antiamerikanisch und gefährlich dargestellt, weil sie den Fortbestand eines weißen christlichen Amerikas bedrohen würden".

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