Victoria's Secret macht Unterwäsche. In der Werbung posieren Models sexy vor der Kamera. Nun prangern sie in einem offenen Brief sexuellen Missbrauch an.

Es geht um Frauenfeindlichkeit, Mobbing und sexuelle Belästigung. Zuerst hat die New York Times darüber berichtet, die mit 30 Models über die Fälle gesprochen hat. Mittlerweile beteiligen sich über 100 Models an einem offenen Aufruf. Sie alle bestätigen die Vorwürfe. Darunter Supermodels wie Christy Turlington, Gemma Ward und Amber Valletta.

Frauenfeindlichkeit, Mobbing, Sexuelle Belästigung

Konkret geht es beispielsweise viel um den ehemaligen Marketingchef Ed Razek. Der soll bei Castings dabei gewesen sein und die Models nach ihrer Privatnummer gefragt haben. Er wollte mit ihnen verreisen, klagen die Models den Marketingchef an. Perfide, weil er der Mann mit der Macht war und mit über ihre Karriere entschieden hat, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt.

"Im ganz normalen Leben wäre das einfach eine schlechte Anmache, aber der Typ hat Macht. Das war bei Castings, in dem 20-jährige auf eine Karriere als Topmodel hoffen."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Außerdem wird Ed Razek vorgeworfen, er habe versucht, die Models zu küssen, oder sie gebeten, sich auf seinen Schoß zu setzen. Einer Frau soll er beim Umziehen in den Schritt gefasst haben. Wer sich dagegen gewehrt hat, musste mit Konsequenzen rechnen, sagt die New York Times Reporterin Jessica Silver Greenberg in der US-Show Good Morning America: "Als sie versucht haben, sich zu beschweren, wurden sie dafür bestraft."

Das Model Andi Muise hat so eine Geschichte erzählt: Nachdem sie eine solche Reiseeinladung abgelehnt habe, durfte sie nicht mehr bei der Victoria's Secret Show mitlaufen. Dort rausgeschmissen zu werden, ist für die ein Model die Höchststrafe, weil diese Show für die Karriere wichtig ist.

"Victoria's Secret Show, das ist, sagen wir mal der Super-Bowl der Modewelt. Da schauen bis zu fünf Millionen Leute zu."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk Nova

Die Models sagen, sie hätten sich immer wieder bei der Personalabteilung beschwert. Vor fünf Monaten haben sie dann das Unternehmen gemeinsam aufgefordert, endlich etwas gegen die Frauenfeindlichkeit zu tun. Doch passiert ist wohl nichts.

Schon der zweite Brief

Im Zentrum steht der höchste Chef von Victoria´s Secret, Leslie Wexner. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, dass Milliardär Jeffrey Epstein ein enger Freund war. Also ein verurteilter Sexualstraftäter. Auch er soll Models belästigt haben. Jeffrey Epstein wurde vor einem halben Jahr tot in seiner Gefängniszelle gefunden.

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Der aktuelle Brief ist schon der zweite. In der ersten Beschwerde vor einem halben Jahr hieß es: Victoria’s Secret habe kein Interesse an einer Aufklärung. Jetzt heißt es in einer ersten Reaktion der Firma, dass sie diese Vorwürfe bedauern.

Ed Razek, auf den sich viele dieser Vorwürfe beziehen, sagt allerdings: Die Anschuldigungen seien kategorisch unwahr, falsch ausgelegt oder aus dem Zusammenhang gerissen. Ed Razek arbeitet seit einem halben Jahr nicht mehr bei Victoria's Secret.

Sara Ziff von der Model-Alliance setzt sich für die Rechte von Models ein und sie meint, es müsse sich noch viel ändern in der Branche. Dieser Aufruf und der Hashtag #time4respect könnte eine Chance sein.