Der mutmaßliche Hackerangriff auf die Demokraten könnte nur der Anfang sein. Experten haben ein viel größeres Sicherheitsrisiko ausgemacht: die Wahlcomputer.

Hillary Clintons Wahlkampfteam, IT-Experten und Vertreter der US-Regierung sind sich sicher: Sie wurden gehackt und die Täter waren im Auftrag russischer Geheimdienste unterwegs. Die russische Regierung hat dies entrüstet zurückgewiesen. Das muss aber nichts heißen, wie der australische Fernsehsender ABC gerade schreibt: Bei Untersuchungen solcher Hacks finden sich meist höchstens Hinweise darauf, dass ein anderer Staat seine Finger im Spiel haben könnte. Beweisen lasse sich das fast nie, da die Geheimdienste in der Regel mit freien Auftragshackern arbeiteten.

Bruce Schneier, einer der renommierter Computer-Sicherheitsexperten der USA, schreibt jetzt in der Washington Post: Wer auch immer es war - der Hack führe zu einem Problem, das seiner Ansicht nach noch viel größer ist: Hacker könnten im November versuchen, die Wahlcomputer der USA zu hacken. Er schreibt etwas polemisch: Wenn die Putin-Regierung einmal eine Cyberattacke fahre, um dafür zu sorgen, dass Trump gewinnt, dann gebe es keinen Grund, dass sie das nicht ein zweites Mal versuche. Vor allem dann, wenn Trump sie auch noch um Hilfe bittet.

Die Wahlcomputer der USA sind berühmt-berüchtigt für ihre Unsicherheit. Und dabei gibt es drei große Probleme: Der Guardian berichtete vergangenes Jahr über Touchscreen-Wahlcomputer, die zwischen 2002 und 2014 bei verschiedenen Wahlen eingesetzt wurden. Und hier hätten einige Wahlkreise die Administratorenpasswörter "abcde" oder "admin" vergeben. Die Wahlcomputer hätten sich von jedem Parkplatz aus also leicht hacken lassen. Außerdem stehen die Hersteller dieser Wahlcomputer immer wieder in der Kritik. Unter anderem gab es schon 2006 eine Studie der Uni Princeton, die zu dem Schluss kommt, dass die Geräte viel zu leicht zu hacken seien.

Wahlcomputer sind Sache der Bundesstaaten

Warum die USA das Problem dann nicht längst angegangen sind? Die Computer sind absurderweise kein Teil des "Critical Infrastructure Protection" Programms der Department of Homeland Security. Sie stehen also nicht unter dem besonderen Schutz der Regierung, weil jeder Staat sein eigenes Wahlsystem hat. Und das ist das dritte Problem: Vertreter der Bundesstaaten Colorado, New York und Kalifornien sagten dem Fernsehsender NBC, dass sie darauf achten, dass keiner ihrer Wahlcomputer mit dem Internet verbunden ist. Das mache es schwieriger, die Wahlcomputer zu manipulieren. Es gibt aber einige Staaten, die das nicht vorschreiben und sich damit leichter angreifbar machen.

Die Hersteller der Maschinen haben die jahrelangen Warnungen von Sicherheitsexperten immer wieder in den Wind geschlagen und die Wahlverantwortlichen in den einzelnen Staaten mit Sicherheits-PR eingelullt, schreibt Bruce Schneier in der Washington Post. Die unhaltbaren Sicherheitsversprechen der Hersteller dürften aber nicht länger ignoriert werden, schreibt er. Die Maschinen müssten jetzt sehr schnell von Experten auf Sicherheitsmängel getestet und nachgerüstet werden und sie dürften nicht länger online betrieben werden. Langfristig müssten die USA zu einem sichereren Wahlsystem zurückkehren.

"Die USA sind übrigens ein Land, das seit den Fünfziger Jahren selbst versucht hat, die eine oder andere Wahl zu beeinflussen."
Netzautorin Martina Schulte

Es bleibt zu hoffen, dass Stimmen wie seine jetzt gehört werden. Denn wenn nur der Anschein erweckt wird, dass die Wahlen im November gehackt worden sein könnten und der Verlierer das Ergebnis dann deswegen nicht anerkennt, wäre das ein riesiger Schaden für die USA.