Heute (29.02.2020) soll das USA-Taliban-Abkommen unterzeichnet werden, das dem seit Jahren kriegs- und terrorgeschüttelten Land endlich Frieden bringen soll. Es besteht durchaus Hoffnung, dass das klappen könnte, wenn auch noch vieles unklar ist.

Fast zwei Jahrzehnte dauern Krieg und Terror in Afghanistan schon an. Aber das soll sich nun ändern: Mit einem Abkommen, das die USA und die Taliban heute in Doha unterzeichnen wollen, soll der Krieg offiziell beendet werden.

Zentrale Punkte des Friedensplans für Afghanistan

Noch sind die Details der Vereinbarung mit dem vielversprechenden Namen "Weg zum Frieden" gar nicht in Gänze bekannt, sagt Bernd Musch-Borowska, ARD-Korrespondent für die Region. Drei Punkte stehen aber wohl fest:

  • Die USA verpflichten sich, den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan einzuleiten.*
  • Die Taliban verpflichten sich, zukünftig in Afghanistan keinen Unterschlupf für Terrorgruppen mehr zu bieten.
  • In einem inner-afghanischen Dialog sollen unter Beteiligung der Taliban und der afghanischen Regierung Gespräche über die Zukunft des Landes stattfinden.
"Wie die Taliban das schaffen sollen, diese Verpflichtung zu erfüllen, ist nicht ganz klar. Denn sie haben gar keinen Einfluss auf all diese vielen Gruppen, die dort in Afghanistan sind. Über 20 sollen es sein."
Bernd Musch-Borowska, ARD-Korrespondent für Afghanistan

Bei diesen Punkten sieht Bernd Musch-Borowska allerdings Tücken. Zum Beispiel gibt er zu bedenken, dass die Taliban kaum genug Einfluss auf die wohl mehr als 20 Terrorgruppen im Land hätten. Unklar sei zudem, wer mit wem in den bald geplanten Dialog trete. Denn die afghanische Regierung ist hoffnungslos zerstritten, so der Korrespondent.

Woche der Gewaltfreiheit hat funktioniert

Nichtsdestotrotz sieht Bernd Musch-Borowska Hoffnung für einen afghanischen Frieden. Auch die vergangenen Tage haben gezeigt, dass das möglich sein könnte: Im Vorfeld des Treffens heute hatten beide Seiten beschlossen, dass es sieben Tage lang keine Gewalt geben soll im Land. Und das hat tatsächlich weitgehend funktioniert, berichtet unser Korrespondent.

"Das hat geklappt. Und die Menschen gerade in den Gebieten, in denen es immer am schlimmsten war, die haben auch schon in den vergangenen Tagen gefeiert und gejubelt, es gab Freudentänze."
Bernd Musch-Borowska, ARD-Korrespondent für Afghanistan

Wenn der Vertrag geschlossen, und die Phase der reduzierten Gewalt verlängert werden kann, dann wäre das schon ein großer Erfolg, so Bernd Musch-Borowska. Und wenn es gar eine Einigung auf einen Waffenstillstand gäbe, wäre für viele Menschen sehr viel gewonnen.

* Zum Zeitpunkt des Gesprächs (29.02.2020, 12:40 Uhr) waren dazu noch keine Details bekannt. Kurze Zeit später meldeten die Nachrichten-Agenturen, dass die USA und die afghanische Regierung in einem gemeinsamen Statement bekannt gegeben hätten, dass der Abzug 14 Monate dauern soll, wenn die Taliban ihre Zusagen einhalten.