Bei der Wissenschaftskonferenz AAAS fragen sich US-Forscher, wie es unter US-Präsident Donald Trump mit ihrer Forschung weitergeht - inhaltlich und finanziell. Wir haben darüber mit Cathryn Clüver gesprochen, sie ist Politikwissenschaftlerin an der Harvard-Universität.

US-Präsident Donald Trump möchte in Militär und Infrastruktur investieren, er will eine Mauer nach Mexiko bauen. All das kostet Geld und US-Wissenschaftler fürchten, dass dieses Geld bei Forschung und Entwicklung gespart werden könnte. Hinzu kommt die Ernennung von Scott Pruitt zum Chef der US-Umweltbehörde EPA. Pruitt war zuvor Chefankläger in Oklahoma und erbitterter Kritiker der EPA - also ausgerechnet der Behörde, der er jetzt vorsteht. Das sei typisch für Donald Trumps Besetzung von Kabinettsposten gewesen, sagt Cathryn Clüver: "Das sind oft Personen, die qua Eigenbestimmung und Glauben einer Behörde entgegengesetzt sind." So auch Scott Pruitt: Er hat sich während Barack Obamas Amtszeit gegen dessen "Clean Power Plan" engagiert und ist Unterstützer der Kohleenergie. Das könnte bedeuten, dass US-Wissenschaftsfelder, die sich mit nachhaltiger Energie und dem Klimawandel befassen, in Zukunft weniger staatliche Unterstützung bekommen.

"Das Worst-Case-Szenario ist, dass in den USA in Zukunft eine extrem kurzsichtige Wissenschaftspolitik gemacht wird oder eine, die auf mangelnden Fakten besteht."
Cathryn Clüver hofft nicht, dass es soweit kommt

Hard Sciences müssen unter Trump um ihre Finanzierung fürchten

In den Hard Sciences, dazu gehört unter anderem die Klimaforschung, fragen sich die US-Wissenschaftler gerade, welche Regularien aus den Klimapaketen bestehen bleiben werden. Barack Obama hatte diese zuvor im Hinblick auf das Pariser Klimaabkommen beschlossen. Zudem sollen in Kürze rund 3000 E-Mails an die Öffentlichkeit kommen, die Scott Pruitt mit Vertretern der Öl- und Gasindustrie ausgetauscht hat. Das schürt Ängste vor allem bei Klimaforschern. Unter dem Hashtag #standupforscience hat sich auf den Straßen und im Netz Protest formiert.

​"Wenn Donald Trump und Scott Pruitt Regularien aus den Klimapaketen kippen, könnte das dazu führen, dass ganze Forschungsbereiche nicht mehr unterstützt werden."
Cathryn Clüver über die Sorgen der US-Wissenschaftler

"Wir werden eine Wissenschaftsabwanderung sehen"

Bislang gelten viele Universitäten und Institute in den USA als Vorreiter in Sachen Wissenschaft. Wissenschaftler aus aller Welt kommen jedes Jahr in die USA. Unter Donald Trump könnte dieser Zustrom recht schnell abnehmen, sagt Cathryn Clüver. Das wiederum könnte bedeuten, dass den USA auch wichtige Forschungsdaten abhandenkommen. Das habe schon jetzt zu einer "Wissenschaftsrebellion" geführt. "Daten werden abgegriffen und abgespeichert."

"Wir werden einen Aufbau und Ausbau von Recherchenetzwerken sehen, wo sich Wissenschaftler international austauschen können."
Cathryn Clüver darüber, dass sich Wissenschaftler unter Donald Trump anders vernetzen müssen

Forschungsfelder wie die Politikwissenschaften sind von möglichen Kürzungen erst mal nicht betroffen, sagt Cathryn Clüver. Der Grund dafür: Die meisten Gelder in diesen Fächern stammen in den USA aus privaten Stiftungen.