Unser Surfverhalten wird im Netz und in den Sozialen Medien getrackt. Firmen zahlen viel Geld für diese Daten. Eine Diskussion, die der US-amerikanische Jurist Eric Posner angestoßen hat: Wieso erhält der User keine Gewinnbeteiligung für den Profit, der mit seinen persönlichen Daten erzielt wird?

Wenn wir ein Auto oder ein Haus kaufen wollen, informieren wir uns im Netz. Wir geben entsprechende Suchbegriffe in Suchmaschinen ein. Gehen auf Verbraucherportale, suchen in den Sozialen Medien nach Tipps für günstigere Alternativen. 

Weil unser Surfverhalten getrackt wird, werden uns passende Anzeigen auf anderen Websites eingeblendet, die mit unserer Suche nach dem Traumhaus gar nichts zu tun haben. 

"Solange das am Markt nicht relevant wird, ist es eine gute Gedankenüberlegung. Aber vielleicht sollte man herausfinden, was sind die Daten überhaupt wert. Und wie verteilt man dann den Wert dieser Daten."
Walter Palmetshofer, Datenökonom bei der Open Knowledge Foundation Deutschland

Für Unternehmen sind diese Daten über unser Surfverhalten und unsere Kaufabsichten sehr spannend. Daran lassen sich Trends für unser Konsumverhalten ablesen. Die Daten können aber auch Hinweise darauf geben, von welche Faktoren wir uns bei Kaufentscheidungen leiten lassen. Um diese Informationen zu erhalten, bezahlen Unternehmen viel Geld, weil sie diese Daten für Werbung- und Marketingzwecke auswerten und nutzen.

Firmen, die getrackte Daten sammeln und verkaufen, verdienen bis zu 440 Euro pro User daran. Sie verdienen also an einem ideellen Gut, das wir letztendlich durch unser individuelles Verhalten erzeugt haben.

Gewinnbeteiligung für User-Daten

Der amerikanische Juraprofessor Eric Posner hat den provokanten Vorschlag geäußert, dass man Internet- und Social-Media-User, deren Daten von Firmen gesammelt und verwendet werden, an dem erwirtschafteten Gewinn beteiligen sollte. Damit hat er eine Debatte um getrackte Daten von Usern angestoßen. 

Eric Posners Rechenbeispiel:

Facebook hat einen Jahresumsatz von 40 Milliarden Dollar. Wenn man diese Zahl durch die Anzahl der aktiven Nutzer pro Monat teilen würde - 2,2 Milliarden sind es in Posners Rechenbeispiel - könnte der durchschnittliche, nordamerikanische Facebook-User darauf spekulieren 18 Dollar mit seinen Daten zu verdienen. 

Der Datenökonom Walter Palmetshofer von der Open Knowledge Foundation Deutschland setzt den Preis für europäische User sogar noch etwas höher an: bei 90 bis 100 Euro. Palmetshofer sagt aber auch, dass dieser Ansatz zwar nicht mehr ganz neu, aber gut sei. Allerdings bezweifelt er, dass er sich leicht umsetzen lässt. Denn bisher hat die Marktwirtschaft diese Idee noch nicht aufgegriffen.

Daten von Nutzern mit hoher Kaufkraft sind wertvoller

Wer dazu noch größere Kaufentscheidungen hegt, die sich im Surfverhalten niederschlagen, dessen Daten werden von den Firmen als noch wertvoller eingestuft. Es hat bereits Versuche von Start-up-Firmen gegeben, die versucht haben, die Nutzer am Wert ihrer eigenen Daten zu beteiligen. Das kostet viel Zeit und Energie und hat bisher weniger als 100 Euro eingebracht.

Bisher gibt es noch keinen einheitlichen und somit zuverlässig messbaren Wert für unsere Daten. Deswegen bleibt die Frage nach einer möglichen Gewinnbeteiligung des Einzelnen am Wert seiner Daten vorerst weiterhin unbeantwortet. 

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