So wie wir heute hier in Europa leben, wie wir wohnen, essen, reisen, das ist für die meisten Menschen auf der Welt unmöglich. Oft nehmen wir das einfach als gegeben hin und trauen uns nicht zu fragen, wer eigentlich den Preis zahlt für unseren Lebensstil. Ein Vortrag von Thomas Gebauer.

Wie muss Hilfe aussehen, damit sie wirklich hilft? Was können wir tun, um die Welt gerechter zu machen?

"Solange wir unseren Konsum auf Arbeitsumstände gründen, die an Sklaverei erinnern, solange wir Missstände, wie sie in der Textilindustrie international existieren, als 'Wertschöpfungsketten' schönreden, tragen wir zu der Armut und der Ungleichheit, die so extreme Formen angenommen hat, bei."
Thomas Gebauer, Medico International

Thomas Gebauer weiß sehr gut, wovon er spricht, wenn es ums Helfen geht. Er hat sein Leben dem Helfen gewidmet und ist dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – sehr kritisch.

"Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade."
Johann Heinrich Pestalozzi zugeschrieben

Helfen ist eine gute Sache und dringend nötig, sagt Gebauer. Aber um wirklich etwas zu verändern, um Armut und Ungleichheit auch langfristig zu bekämpfen, brauche es politische Entscheidungen und grundsätzliche Veränderungen in unserem globalen Wirtschaftssystem.

"Den Gegensatz zwischen Stärke und Schwäche, zwischen Privilegierten und Ausgegrenzten, zwischen Gebern und Nehmern aufzulösen, das wäre für mich die Utopie der Hilfe."
Thomas Gebauer, Medico International

Thomas Gebauer ist Sprecher von Medico International und hat die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen mitinitiiert. 1997 hat die Kampagne den Friedensnobelpreis bekommen. Medico ist eine Hilfs- und Menschenrechtsorganisation, die sich für ein globales Recht auf Gesundheit einsetzt und auch Nothilfe in Katastrophensituationen leistet. Sein Vortrag trägt den Titel: "Eine Utopie des Helfens. Wege aus der globalen Krise". Thomas Gebauer hat ihn am 10. Mai 2019 auf den den Tagen der Utopie im Bildungshaus St. Arbogast im österreichischen Götzis gehalten.