In Venezuela ist Strom Mangelware. Eine Folge: akuter Wassermangel. Das Leid der Bevölkerung ist groß, für viele Menschen ist die Krise bereits jetzt lebensbedrohlich.

Tausende Menschen sind auch am 31. März wieder in Venezuela auf die Straße gegangen, um gegen die fehlende Versorgung mit Strom und Wasser zu protestieren. Ohne Strom können viele der Trinkwasserpumpen im Land nicht arbeiten. Wasserleitungen, insbesondere hoch gelegene, bleiben leer. 

Mangelnde Energieversorgung

Auch die Versorgung mit Benzin ist nicht gewährleistet. Kraftstoffpumpen an Tankstellen arbeiten in der Regel mit Strom. Warentransport und Mobilität sind dadurch stark eingeschränkt. Anfang März war fast das gesamte Land mehr als eine Woche ohne Energie. Es war der schwerwiegendste Stromausfall in der jüngeren Geschichte Venezuelas.

Bei den Protesten ist es zu Zusammenstößen mit bewaffneten regierungsnahen Banden, den Colectivos, gekommen. Auf zahlreichen Videos im Netz – siehe diese Twitter-Suchanfrage – ist zu sehen, wie die Gangs Demonstranten angreifen. Anne-Katrin Mellmann, ARD-Korrespondentin für Südamerika, beschreibt die Unterbrechung der Stromversorgung als tödliche Bedrohung für viele Venezolaner. Das Land hat rund 31 Millionen Einwohner.

"Für die Menschen ist es eine absolute Katastrophe. Sie sterben auch wegen dieser Stromausfälle. Es gibt Dialysepatienten, die ihre Blutwäsche nicht häufig genug bekommen können. In den Krankenhäusern fehlt Strom."
Anne-Katrin Mellmann, ARD-Korrespondentin für Südamerika

Die Korrespondentin erklärt, dass die Stromausfällen regionale unterschiedlich stark ausfallen. Zeitweise sind Teile des Netzes versorgt, zeitweise eben nicht – mit den genannten lebensbedrohlichen Folgen. Anne-Katrin Mellmann berichtet davon, dass ausgefallene Transformatoren innerhalb des Stromnetzes nicht wieder ersetzt werden. Der Zustand der elektrischen Infrastruktur verschlechtert sich immer mehr.

"Es gibt kein Leitungswasser in Hochhäuser. Die Leute haben kein Wasser, die Aufzüge funktionieren nicht. Es ist insgesamt eine apokalyptische Situation."
Anne-Katrin Mellmann, ARD-Korrespondentin für Südamerika

Was genau die Ursache für den Zusammenbruch der Infrastruktur ist, lässt sich nicht genau sagen. Präsident Nicolás Maduro wirft den USA erneut terroristische Attacken auf das Stromnetz vor. Die Opposition vermutet die Ursache in schlechter Wartung. 

Unabhängigen Energieexperten in dem Land hätten mit dieser Versorgungskrise gerechnet, weil die Regierung seit Jahren nicht mehr in die Netze investiert habe, sagt Anne-Katrin Mellman. Stromausfälle in kleinerem Ausmaß habe es immer wieder gegeben und bereits 2016  auch Rationierungen.

Maduro simuliert Kontrolle

Nach den wiederholten Stromausfällen hat der venezolanische Präsident Nicolás Maduro eine Rationierung der Elektrizität angekündigt. Demnach sollen alle öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Behörden ab 14 Uhr schließen, sagte der Präsident im öffentlichen Fernsehen. Unsere Korrespondentin sagt hingegen: Er hat die Situation nicht mehr unter Kontrolle.

"Sein Plan klingt so, als habe er das Problem im Griff, aber das ist nicht so. Die Regierung hat immer wieder versprochen, dass es sich nur um Stunden handeln könne und dann gab es neue mehrtägige, mehrstündige Stromausfälle."
Anne-Katrin Mellmann, Korrespondentin für Südamerika

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