In einem neuen Test-Supermarkt in Köln wird mithilfe einer KI das Kaufverhalten der Kund*innen analysiert. Unternehmen hilft das bei der Marktforschung.

Sabine Büttner staunt nicht schlecht, als sie den neuen Test-Supermarkt in Köln zum ersten Mal betritt. Für unsere Reporterin wirkt alles extrem aufgeräumt, beinah steril. Es sind auch nicht viele Menschen zum Einkaufen da – rein kommt nämlich nur, wer sich vorher angemeldet hat. So wie Antje Lienert. Die zweifache Mutter nimmt an dem Konzept des Test-Supermarktes teil und freut sich darüber, dass sie für 15 Euro Monatsbeitrag einen Einkaufswert von 55 Euro zur Verfügung hat. Sie ist zusammen mit 2.500 anderen Mitglied bei diesem neuen Marktforschungskonzept.

Antje Lienert steht vor einem Regal im Test-Supermarkt
© Sabine Büttner | Deutschlandfunk Nova
Antje Lienert steht vor einem Regal im Test-Supermarkt

Ziel des Test-Supermarktes ist es, das Verhalten der Kund*innen auszuwerten. Wer interessiert sich für welche Produkte, was wird oft aus dem Regal genommen, was wird wieder zurückgestellt? Im Angebot sind nur neue Produkte, die es woanders noch nicht zu kaufen gibt, wie zum Beispiel Popcorn mit Erdbeer-Geschmack, Bratwürstchen mit Quinoa, Nudeln aus Grillen-Mehl. Das findet Kundin Antje Lienert spannend.

"Hier ist Fleischersatz. Pulled Pork, hab ich auch noch nicht gesehen als vegetarische Option."
Antje Lienert, Kundin im Test-Supermarkt

Wer an den klar strukturierten Regalen entlang geht, findet außerdem vegetarisches Pulled Pork, Müsliriegel von verschiedenen Firmen oder neue Limonaden-Sorten. Für ihren Hund packt Antje Lienert einen Hunde-Smoothie ein. Probieren könne man es ja mal.

Während sie einkauft, wird sie von Kameras überwacht. Jede Bewegung wird registriert und von einer Künstlichen Intelligenz (KI) ausgewertet. Das nimmt sie in Kauf und es ist für sie auch in Ordnung, da die Daten der Kund*innen anonymisiert werden.

Digitalisierung erlaubt vollautomatisierte Marktforschung

Dass das Kaufverhalten jetzt digital erfasst werden kann, findet Marktleiter Thomas Perdolt total praktisch. Zuvor hätte die Marktforschung immer eine Person ans Regal stellen müssen, um Leute im Nachhinein zu befragen oder Strichlisten zu führen. "Wir können das voll automatisiert", sagt er.

"Unsere Kameras werten einen sogenannten Performance-Fundle aus, das heißt: Wie viele Leute haben ein Produkt gesehen, wie viele haben es in den Händen gehalten, und wer wiederum hat das als Zielgruppe tatsächlich gekauft?"
Thomas Perdolt, Betreiber des Test-Supermarktes

Der Test-Supermarkt hat 350 Artikel im Sortiment. Nicht alles ist für jeden interessant. Das ist aber auch nicht schlimm. Wichtig ist: Kauft es die Zielgruppe? Das hilft den Unternehmen zu ermitteln, ob ihre neuen Produkte Erfolg haben werden, oder eher nicht.

Und als kleines Special läuft im Test-Supermarkt sogar unterschiedliche Musik. Abgestimmt darauf, welche Zielgruppe sich gerade mehrheitlich im Supermarkt befindet – und sogar die Lautstärke passt sich an, abhängig davon, ob es mehrere oder weniger Leute sind.