Manchmal ist ein Fluss zu sehen, manchmal nur noch Gras: Weltempfänger Roger Eberhard fotografiert ehemalige Grenzen auf der ganzen Welt.

Sein großes Thema ist etwas, das gar nicht mehr da ist: Fotograf Roger Eberhard ist um die Welt gereist, um ehemalige Grenzen zu fotografieren - und das, was von ihnen übrig geblieben ist. "Human Territoriality" heißt das Buch, in dem seine Bilder zu sehen sind (Verlag Edition Patrick Frey, 2020).

Besonders beeindruckend war für Roger die ehemalige Grenze zwischen Nord- und Südvietnam, erzählt er. Der Ben-Hai-Fluss (ganz oben im Bild) sei eine spektakuläre Gegend. Als er dort im leichten Regen mitten im Dschungel stand, kilometerweit niemand zu sehen, auch kein Dorf, sei ihm die Geschichte, all das Leid dieser hart umkämpften Gegend sofort bewusst geworden.

Heute ein Bananenfeld - früher eine Grenze

Und dann war da der Tag, als sich Roger von Einheimischen auf ein Bananenfeld führen ließ. Bis 2015 verlief dort in Bangladesch die Grenze zu einer indischen Enklave. Und in der Enklave lag noch eine Enklave. Dann einigten sich die beiden Staaten darauf, diese Staatsgebiete im Staatsgebiet aufzulösen.

Roger musste auf die Einheimischen vertrauen, dass er am richtigen Ort stand, denn hier wies nichts mehr auf eine Grenze hin. Also fotografierte er das Bananenfeld und fuhr wieder nach Hause. Die Einheimischen amüsierten sich ein wenig über den seltsamen Gast aus Europa, aber Roger hatte das Bild einer ganz besonderen Grenze im Kasten.

Was Roger mit einer Arbeit zeigen will: Wie fluid, wie vergänglich, dieses Konstrukt Grenze ist. Und er empfindet es als absurd, wie stark Grenzen gesichert oder ausgebaut werden. Wo doch klar sei, dass sie meist nicht für die Ewigkeit bestimmt seien.

Im Interview mit Anna Kohn erzählt Roger Eberhard außerdem, warum auch der Klimawandel Grenzen verschieben kann und zu welchen Zielen seiner Reisen er gerne noch einmal aufbrechen würde.