Wie sich ein Stimmungstief oder –hoch anfühlt, kennen wahrscheinlich die meisten von uns. Wer mit Borderline lebt, springt von einem Hoch ins nächste Tief und weiß manchmal nicht einmal wieso. Wie sich das anfühlt, darüber sprechen wir in der Ab 21.

Keine klaren Gedanken fassen, Stress mit den Liebsten und eine ständige Gefühlsachterbahn. Wenn das Auf und Ab der Emotionen so weit geht, dass der Alltag aus den Bahnen gleitet, kann eine Borderline-Persönlichkeits-Störung vorliegen. Eine, die weiß, wie sich das im Detail anfühlt, ist Jennifer. Auf Instagram teilt Jennifer ihren Followern mit, wie es ist, mit Borderline zu leben.

Sichtbarmachen der Störung

Stefan Röpke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kennt sich mit Borderline gut aus. Im Gespräch klärt er uns über die medizinischen Hintergründe auf. So kann die Persönlichkeitsstörung nicht nur genetisch vererbt werden. Auch traumatische Missbrauchserfahrungen im Kindesalter können Risikofaktoren sein.

Katrin ist Therapeutin nach Heilpraktikergesetz und Hörbuchautorin. Auch sie lebt mit der Borderline-Persönlichkeits-Störung. Sie erklärt uns, dass der Leidensdruck bei Betroffenen noch größer wird, wenn sie nichts über die Ursachen ihrer Stimmungsschwankungen wissen. "Es geht darum, dass man sich selbst kennenlernt."

"Streit in der Partnerschaft, Mobbingerfahrungen oder traumatische Erlebnisse wie körperliche oder sexuelle Gewalt können dazu führen, dass man später im Erwachsenenalter die Borderline-Störung entwickelt."
Stefan Röpke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Wissenswertes zur Borderline-Erkrankung

  • Laut der Charité gilt die Borderline-Störung als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, die oft unterdiagnostiziert und häufig auch unterversorgt bleiben.
  • Verschiedene Studien zeigen zudem, dass Personen, die an Borderline erkrankt sind, unter einer oder mehreren zusätzlichen Diagnosen leiden. Dazu gehören mitunter Panikstörungen, Essstörungen, die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), soziale Phobie oder Zwangsstörungen.
  • Die Borderline-Störung kann für Partnerschaften zur Zerreisprobe werden. Nämlich dann, wenn die nichterkrankte Person die emotionalen Ausbrüche des Partners für sich nicht einordnen kann. So können die extremen Stimmungsschwankungen des einen für eine psychischen Druck beim anderen sorgen.
  • Was geht eigentlich im Kopf ab, wenn man unter Borderline leidet? Tatsächlich lassen sich die Gefühle sogar messen. So konnte die Hirnforschung in den letzten Jahren die typischen Auffälligkeiten im Gehirn per Bildgebung sichtbar machen. Das Ergebnis ist etwa vergleichbar mit einem Auto, das zwar einen starken Motor aber nur schwache Bremsen eingebaut hat.
  • Zu den Symptomen der Erkrankungen können auch gehören: Ein chronisches Gefühl von Leere, Impulsivität in selbständigen Bereichen wie Sexualität, Essen, Geldausgaben oder Autofahren und das verzweifelte Bemühen, von Mitmenschen nicht verlassen zu werden.

Borderline ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Wenn ihr darunter leidet oder glaubt, darunter zu leiden, könnt ihr euch bei den unterschiedlichen Hilfsangeboten melden.

Wenn ihr euch selbst in einer schwierigen Situation befindet, könnt ihr euch auch jederzeit an die Telefonseelsorge wenden.

Podcast zur Sendung
  • Ab 21
  • Moderatorin :  Shalin Rogall
  • Gesprächspartnerin:  Jennifer Wrona, teilt auf Instagram, wie es ist mit Borderline zu leben
  • Gesprächspartner:  Stefan Röpke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Gesprächspartnerin:  Katrin Zeddies, Therapeutin nach Heilpraktikergesetz