Schlüssel verlegt. In Gedanken weggelegt und schon aus dem Sinn. Woran das liegt? Weil wir die Erinnerung mit dem Ort und dem Moment verknüpfen, sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck.

Das Gehirn speichert nicht nur die Dinge ab, die wir benutzen, sondern sie werden auch immer mit dem Raum verknüpft, in dem sie sich befinden. So gibt es beispielsweise in der Küche andere Gegenstände, die dort wichtig sind, als im Badezimmer. Das Gehirn erinnert dieses Gesamtkonstrukt, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck.

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Deshalb haben wir ein Problem, sobald wir den Raum verlassen, sagt Henning Beck. "Wenn ich in einen anderen Raum gehe, dann verschwindet die Erinnerung an das, was beispielsweise in der Küche noch wichtig war." Erinnerung ist immer das, was in einem Moment erzeugt wird. Ist der Moment vorbei, ist die Erinnerung weg. Weil wir diese Momente nicht wie auf einer Festplatte speichern können.

"Der Moment ist entscheidend. Wenn sich der Moment ändert, zack, ist die Erinnerung schon wieder weg."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Der Sinn des Gedächtnisses ist nicht, dass wir uns perfekt an die Vergangenheit erinnern könnten, sagt der Neurowissenschaftler. Für das Gehirn ist es wichtiger, dass es in der Gegenwart gute Entscheidungen treffen kann. "Deshalb lässt das Gehirn manchmal Sachen unter den geistigen Tisch fallen", erklärt Henning Beck.

"Viel wichtiger, als dass man sich an alles erinnert, ist, dass man Sachen vergisst."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Das Vergessen hat für das Gehirn eine wichtige Funktion, um sozusagen den Überblick über die wichtigen Informationen zu behalten. Problem ist, wenn wir ganz viele Informationen auf einmal verarbeiten müssen und dann auch noch abgelenkt werden, dann werden auch wichtige Informationen gelöscht.

Türrahmeneffekt

Wenn Menschen durch einen Türrahmen hindurchgehen, vergessen sie Dinge. Das liegt nicht am Türrahmen, sondern daran, dass sie den Raum verlassen haben, mit dem die Erinnerung an einen bestimmten Gegenstand verknüpft ist. Besonders schwierig wird es, wenn Menschen umziehen, weil dann jeder Raum vollkommen neu ist und auch die Ordnung der Dinge eine neue ist.

"In einer neuen Umgebung tut sich das Gehirn immer sehr schwer damit, alles erst einmal zu sortieren. Dann ist man besonders leicht vergesslich."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Das muss nicht nur negativ sein. Wenn wir beispielsweise eine Denkblockade haben, uns für ein Problem keine neue Idee einfällt, dann kann ein Ortswechsel helfen. Sobald wir einen neuen Raum betretet, kann es sein, dass uns auch ein neuer Gedanke oder eine neue Idee einfällt. "Weil der Raum die Art ändert, wie man denkt", sagt Henning Beck.

Vergessen bleibt vergessen

Wer jetzt denkt: Hab ich vergessen, dann gehe ich einfach zurück in den Raum, wo ich es noch wusste, wird enttäuscht. Nach aktueller Studienlage hilft das nicht, sagt Henning Beck. Vergessen ist vergessen. Wir können nur versuchen, die Informationen bereit zu halten, auch wenn wir den Raum verlassen.

Damit uns gelingt, die Informationen nicht zu vergessen, helfen Rituale und Routinen, die im Gehirn gespeichert werden. Die Routine hilft uns, daran zu erinnern, welche Handlung wir ausführen wollen.

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