Wenn sich Tiere nicht schlecht fühlen können, muss man es ihnen auch nicht schön machen - mit solch einer perfiden Logik werden gerne Tierquälereien begründet. Und die Tiere selbst kann man zu ihren Gefühlen nicht befragen. "Kann man doch", sagte sich eine handvoll Forscher aus Großbritannien. Sie stellten Hunde vor Situationen, die sie positiv oder negativ bewerten konnten. Dabei zeigte sich: Auch für Vierbeiner kann der Fressnapf halbvoll oder halbleer sein.

Der Verhaltensforscher John Bradshaw von der Universität Bristol machte Videoaufnahmen von Hunden, die allein in der Wohnung sind. Dabei wurde klar: Wenn sich die Tür hinter den Besitzern schließt, beginnt einer von drei Hunden zu bellen, am Boden zu kratzen oder sich zu übergeben. Die Tiere wirken ängstlich oder verzweifelt. Sie empfinden Trennungsangst.

"Dogs really do feel anxiety. They really do feel fear. It's not just pretending or looking as if they are on the outside, which is what many scientists used to hold."
John Brandshaw

Und das hat Auswirkungen. Gut gelaunte Hunde neigen zu Optimismus, unzufriedene hingegen sind pessimistisch gestimmt. Hunde etwa, die unter Trennungsangst leiden, untersuchen einen Fressnapf mit unbekanntem Inhalt erst gar nicht. Sie verhalten sich ähnlich wie depressive Menschen und ziehen sich zurück.

Tiere haben komplexe Gefühle

John Bradshaw ist deshalb davon überzeugt, dass sich bessere Lebensbedingungen für Tiere nur durchsetzen lassen, wenn wir ihre Emotionen anerkennen und ernst nehmen. Doch viele Forscher bestreiten bislang eine Gefühlswelt bei Tieren.