Zu wenig Schlaf sorgt nicht nur dafür, dass wir schlecht gelaunt oder müde, sondern auch, dass wir weniger hilfsbereit sind. Wir haben Schlafforscherin Christine Blume gefragt, wie das zusammenhängt.

Forschende aus den USA haben im Fachmagazin PLOS Biology ihre Studie vorgestellt, bei der sie der Frage nachgegangen sind, wie Schlafmangel sich auf die Hilfsbereitschaft auswirkt. Tatsächlich sind 78 Prozent der Teilnehmenden weniger hilfsbereit, wenn sie eine Nacht überhaupt nicht geschlafen haben, sagt die Schlafforscherin Christine Blume.

Die Forschenden haben untersucht, ob es damit zusammenhängt, dass die Teilnehmenden dann einfach nur schlecht gelaunt oder angestrengt und deshalb weniger hilfsbereit waren. Aber: Wenn die Teilnehmenden nur schlechter oder kürzer geschlafen haben, waren sie ebenfalls weniger hilfsbereit.

Ausgeschlafen hilfsbereit

Sobald die Studienteilnehmenden dann wieder gut geschlafen haben, hat auch die Hilfsbereitschaft wieder zugenommen. "Eigentlich eine gute Nachricht für mich", sagt Christine Blume.

Die Hilfsbereitschaft haben die Forschenden anhand von Fragebögen überprüft. Die Teilnehmenden sollten auf Situationsbeschreibungen antworten, beziehungsweise aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten auswählen. Beispiel: Eine verletzte Person liegt auf der Straße. Gehe ich weiter? Frage ich, ob ich helfen kann? Die letzte Option hat das höchste Rating bekommen.

Zeitumstellung und Spendenbereitschaft

Die Forschenden haben auch untersucht, wie sich die Zeitumstellung auf unsere Hilfsbereitschaft oder vielmehr unsere Bereitschaft zu spenden auswirkt. Tatsächlich haben sie in den Staaten, die eine Zeitumstellung im Frühjahr vornehmen und somit die Menschen eine Stunde weniger Schlaf haben, festgestellt, dass das Spendenaufkommen um zehn Prozent niedriger ist.

Umgekehrt ist wohl aber nicht so, dass, wenn wir im Herbst bei der zweiten Zeitumstellung zurück, bei der wir wieder eine Stunde mehr Schlaf haben, das Spendenaufkommen zunimmt.

Soziale Reaktion im Hirn bei Schlafmangel geringer

Die Forschenden haben bei ihrer Studie auch untersucht, was im Gehirn passiert, wenn die Hilfsbereitschaft überprüft wird. Dafür haben die Teilnehmenden die Fragebögen in einer funktionellen Magnetresonanztomografie beantwortet. Ihre Gehirnaktivität wurde dann gescannt. Diese Scans haben die Forschenden vor allem im Bereich des sozialen Kognitionsnetzwerk untersucht. Das ist ein neuronales Netzwerk, das bei Studien wiederholt mit prosozialem Verhalten in Zusammengang gebracht worden ist, erklärt Christine Blume.

Nach einer schlaflosen Nacht haben die Forschenden weniger Aktivität in diesem Netzwerk festgestellt. Diese geringere Aktivität könnte dann die Ursache für die geringere Hilfsbereitschaft sein.

Menschen mit Schlafproblemen sind nicht automatisch Egoisten

Wer grundsätzlich Schlafprobleme hat, muss deshalb nicht fürchten, ein total egoistischer Mensch zu sein. Zumindest sagt die Studie über dauerhaften Schlafmangel und Hilfsbereitschaft nichts. Aus gesundheitlichen Gründen sollten Menschen, die unter Schlafmangel leiden, sich aber darum kümmern. Denn Schlafmangel kann sich negativ auf den Stoffwechsel oder die Psyche auswirken.

Wichtig sei für Betroffene, herauszufinden, wodurch der Schlafmangel verursacht wird. Zum Beispiel weil wir zulange eine Serie geguckt haben und deshalb zu spät ins Bett gehen.

Wer immer Schlafprobleme hat, sollte das mal mit dem Hausarzt oder der Hausärztin besprechen. Dabei geht es nicht um vorübergehende Schlafschwierigkeiten wegen Prüfungen oder anderem Stress. Stellt sich nach so einer Phase der gesunde, erholsame Schlaf nicht wieder ein, dann rät Christine Blume zu professioneller Hilfe wie Schlafmediziner*innen oder Psycholog*innen. Infos findet man auch bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin.

"Auf jeden Fall sollte man erst dann ins Bett gehen, wenn man sich richtig müde fühlt."
Christine Blume, Schlafforscherin

Tipps zum Einschlafen:

  • Erst ins Bett gehen, wenn wir wirklich müde sind
  • Entspannungsmethoden vor dem Einschlafen
  • Vor dem Schlafen die Gedanken an kommende Ereignisse und Aufgaben aufschreiben