Bisher nur in der Theorie: Eine Industriedesign-Studentin widmet ihre Masterarbeit der Verhütung beim Mann – mit Hilfe von Ultraschall.

Die Verhütungsmethoden für den Mann sind überschaubar: Entweder kommt ein Kondom beim Sex zum Einsatz oder er lässt sich per Vasektomie unfruchtbar machen. Wenn die Samenleiter erst einmal gekappt und die Enden verschlossen wurden, gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Vor allem für jüngere Männer kommt diese Methode wohl eher selten infrage.

Regelmäßige Beschallung notwendig

Eine Industriedesign-Studentin hat jetzt eine weitere neue Methode für Männer konzipiert: Verhütung per Ultraschall. Nach diesem Konzept sollen die Hoden des Mannes mit Ultraschall bestrahlt werden. Dafür setzt sich der Mann mit gespreizten Beinen auf eine gerade Fläche und legt die Hoden von oben in das Ultraschallgerät, das er zwischen seinen Beinen platziert hat.

Der Ultraschall wird dabei in regelmäßigen Intervallen angewendet. Das heißt, die Methode ist für eine langfristige Verhütung ausgelegt. Bisher existiert diese Methode nur in der Theorie. Die Studentin Rebecca Weiss hat sie für ihre Masterarbeit entwickelt und ein entsprechendes Produkt dafür designt.

"Der biologische Effekt ist folgender, Ultraschall erzeugt Tiefenwärme im Hodengewebe und unterdrückt die Spermienneubildung für einen gewissen Zeitraum.“
Rebecca Weiss, Industriedesign-Studentin

Das Projekt basiert auf einem Ansatz, der sich auf eine Tierstudie mit Ratten von der University of North Carolina aus dem Jahr 2012 bezieht.

Ultraschall bei Tieren erfolgreich zur Verhütung angewendet

Bei Ratten, aber auch bei weiteren Tierarten wie Affen oder Hunden, war diese Methode erfolgreich. Wie oft ein Mann seine Hoden beschallen müsste und wie lange die Wirkung anhalten würde, muss noch in Studien überprüft werden.

Das Konzept an sich sei bereits alt und es gebe auch Studien, die die Wirksamkeit von Ultraschall beziehungsweise Wärme als Methode zur Verhütung bestätigen, sagt Mandy Mangler, Gynäkologin und Chefärztin am Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin.

"Es gibt eine ganze Reihe Männer, die das für sich anwenden, also die ihre Hoden freiwillig erwärmen, mit verschiedenen Methoden, um ihre Spermienqualität zu mindern.“
Mandy Mangler, Gynäkologin am Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin

In der Vergangenheit gab es bereits Konzepte wie die Pille für den Mann, die sich allerdings nicht durchgesetzt haben. Für die Gynäkologin Mandy Mangler steckt dahinter ein gesellschaftliches Problem. Die Verhütung wird in erster Linie als eine Aufgabe der Frau betrachtet. Viel Geld fließe in die Erforschung zur Verhütung bei der Frau. Nur sehr wenige Forschende befassen sich strukturell mit der Verhütung beim Mann, sagt die Gynäkologin Mandy Mangler.

"Es geht so weit, dass es nicht mal Forscher*innen-Gruppen gibt, die sich mit dem Thema richtig strukturell auseinandersetzen. Also es gibt schon welche, aber sehr wenige im Vergleich zu denen, wie es eben für die Frauen ist. Also man betrachtet es einfach nicht als männliches Problem."
Mandy Mangler, Gynäkologin am Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin

Rebecca Weiss wollte mit ihrer Masterarbeit und dem Produkt, das sie entwickelt hat, die Diskussion um männliche Verhütung neu anstoßen. Ursprünglich ging es ihr nicht darum, ein käufliches Produkt herzustellen.

Da sie auf ihr Design viel öffentlichen Zuspruch erhalten hat, und viele Männer Interesse an solch einem Produkt signalisiert haben, wird die Studentin nun versuchen, ein Ultraschallgerät zur Verhütung bei Männern auf den Markt zu bringen. Zuvor muss die Methode allerdings in klinischen Studien getestet werden.