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Die Telekom und der Automobilzulieferer Continental wollen Fußgängerinnen, Radelnde und Autofahrer vor drohenden Kollisionen warnen. Mit einem System auf Mobilfunkbasis. Die Idee ist nicht neu – aber die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben.

In aktuellen Autos, zumindest ab einer bestimmten Ausstattung und einem bestimmten Preis, ist das schon Standard: ein Kollisionswarnsystem. Sensoren, meist auf Ultraschallbasis, schlagen Alarm, wenn sich der Wagen vorne, hinten oder seitlich gefährlich nahe an ein Hindernis heranbewegt und auf dieses aufprallen könnten. Dann piepst es meistens wie wild oder das Sicherheitssystem bremst sogar automatisch.

Warnsystem auf Mobilfunkbasis

Für Fahrradfahrerinnen und Fußgänger, die viel verletzlicher sind, weil sie keine Schutzhülle aus Blech um sich herum haben, gibt es ein solches System bislang aber nicht. Die Telekom und der Automobilzulieferer Continental wollen das jetzt ändern – mit einem neuen Warnsystem auf Mobilfunkbasis.

Der Gedanke dahinter: In modernen Autos sind Mobilfunksysteme eingebaut, meistens mit eigener SIM-Karte, um die Position und die Bewegung der Autos genau mitverfolgen zu können. Gleichzeitig haben auch Fahrradfahrende und Fußgänger allermeistens ihr Handy dabei, über das sich sehr präzise ihr Aufenthaltsort und ihre Bewegungen ablesen lassen.

"Die Idee: Wenn sich die Bewegungsdaten ablesen und durch Berechnungen in der Cloud vorhersagen lassen, dann kann eine entsprechende App allen beteiligten Akteuren eine Warnung zukommen lassen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Idee ist daher: Wenn sich die Bewegungsdaten ablesen und durch Berechnungen in der Cloud vorhersagen lassen, dann kann eine entsprechende App allen beteiligten Akteuren eine Warnung zukommen lassen – und das möglichst, bevor es knallt.

Problem: Es geht um Sekunden

Telekom und Continental gehen in ihrem gerade vorgestellten Szenario von einer Kollisions-Voraussagezeit von fünf Sekunden aus. Das ist einerseits toll, sagt unser Netzreporter Michael Gessat. Ein solches Quasi-Echtzeit-Warnsystem sei nur möglich mit den neuesten Mobilfunkstandards und den sehr kurzen Übermittlungswegen.

Trotzdem müsse man natürlich sehr wohl fragen: Fünf Sekunden sind im Straßenverkehr eine lange Zeit. Bringt das System also tatsächlich etwas für einen Fahrradfahrer? Wenn es piepst, brauche ich mindestens zwei Sekunden, um das einzuordnen, und dann habe ich vielleicht noch mal zwei Sekunden, um zu reagieren. Bei ersten Praxistests seien angeblich ermutigende Ergebnisse erzielt worden, sagen Telekom und Continental. Die Unternehmen wollen das System im Oktober beim ITS World Congress in Hamburg vorstellen.

Die Idee ist nicht neu

Die Idee für ein solches System ist keineswegs neu: Bereits 2016 hatte eine Entwicklerin beim Autozulieferer ZF eine funktionsgleiche App entwickelt – nachdem sie selbst als Fahrradfahrerin von einem Auto beim Abbiegen getroffen worden war. In der Breite durchgesetzt hat sich die App nicht. Damals – vor fünf Jahren – war Continental noch der Meinung, ein Warnsystem über die Cloud sei zu langsam, berichtet Michael Gessat.

"Die Idee ist nicht neu, die App gab es schonmal. In Zeiten, in denen das 5G-Netz installiert wird, werden solche Echtzeit-Szenarien über die Cloud aber plötzlich realistisch."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das Problem, vor fünf Jahren genauso wie heute: Viele Autofahrer und Autofahrerinnen glotzen beim Fahren auf ihr Handy und sind abgelenkt. Das gleiche gilt für Fußgängerinnen und Fahrradfahrer.

Noch eine Menge Fragen

Die Alternative zum Warnsystem auf Mobilfunkbasis wäre eine direkte Kollisionswarnung über Nahfunk oder auch über mitgeführte RFID-Tags, erklärt unser Netzreporter. In Zeiten, in denen das 5G-Netz installiert wird, würden solche Echtzeit-Szenarien über die Cloud plötzlich realistisch. Die Frage, ob fünf Sekunden ausreichen, bleibt trotzdem.

Unser Netzreporter findet das System "an sich eine gute Idee". Es müssten aber noch jede Menge Fragen geklärt werden – unter anderem die, wie zuverlässig die Alarme sind und ob mögliche Fehlalarme die Nutzenden nicht nur nerven, sondern auch gefährlich ablenken könnten.