Eine neue Plakatreihe wird bald an den deutschen Autobahnen zu sehen sein. Sie will vor allem jüngere Autofahrer ansprechen und zu vorsichtigem Fahren auffordern.

Das Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat wollen die Unfallzahlen senken und haben eine neue Kampagne gestartet. Auf den Plakaten sind Menschen mit Prothesen oder körperlichen Einschränkungen zu sehen, kombiniert mit Sprüchen wie "Weil der andere zu schnell war".

Zielgruppe: junge Männer

Die Kampagne will die Menschen hinter den Opferzahlen und ihr Leben nach dem Unfall zeigen. Was auffällt: Die Protagonisten auf den Plakaten sind nur Männer, die noch ziemlich jung sind. Geschätzt zwischen Anfang 20 und Ende 30. Sie sollen die Zielgruppe der Kampagne ansprechen: Verkehrsteilnehmer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren haben laut Statistik mit großem Abstand das größte Unfallrisiko.

Ob sich aber gerade die Risikokandidaten von der Kampagne angesprochen fühlen, bezweifelt der Verkehrspsychologe Jens Schade. Er beschäftigt sich mit der Wirkung solcher Kampagnen und sagt, dass die Menschen, denen ohnehin Sicherheit wichtig wäre, auf solche Plakate positiv reagieren würden. Dagegen würde die Kampagne Menschen, die sich eher riskant verhalten, nicht damit erreichen. Denn sie halten sich meist für kompetente Fahrer.

"Es gibt Problemgruppen, die sich besonders riskant verhalten und die erreicht man eben nicht so gut. Ein Grund, warum man sie nicht erreicht ist, weil sie sich meist für sehr kompetent halten."
Jens Schade, Verkehrspsychologe

Die Kampagnenmacher hoffen zumindest, dass den risikobereiten Autofahrern bewusst wird, welche Konsequenzen schnelles Fahren haben kann. Im Vorfeld der Kampagne hat eine Umfrage ergeben, dass 71 Prozent der Befragten nur geringe oder sehr geringe Angst haben, in einen Verkehrsunfall mit schweren gesundheitlichen Folgen oder Todesfolge verwickelt zu werden.

Sozialer Druck zwingt zu verändertem Verhalten

Der Verkehrspsychologe Jens Schade sieht auch einen sozialen Effekt durch derartige Kampagnen: Beispielsweise war Alkohol am Steuer früher eher so etwas wie ein Kavaliersdelikt. Nach einer Kampagne ist heute Alkohol und Autofahren sozial geächtet. Der soziale Druck soll so groß sein, dass Menschen Skrupel haben, betrunken Auto zu fahren.

In dem Sinne funktioniert auch die aktuelle Kampagne: "Die anderen" haben nicht aufgepasst oder waren zu schnell.

Maßnahmen für Fahranfänger

Jens Schade hält außer Kampagnen auch bestimmte Maßnahmen bei Fahranfängern wie in den USA oder Neuseeland für sinnvoll. Beispielsweise ein Nachtfahrverbot oder ein Verbot, Personen im Auto mitzunehmen. Oder die Strafe für Handy am Steuer erhöhen. Ab 2022 werden in der EU auch verschiedene Assistenzsysteme für neue Autos zur Pflicht wie Notbremsassistent oder Warnsysteme, falls der Fahrer ermüdet oder abgelenkt ist, um so die Sicherheit zu erhöhen.