Von Ortschaft zu Ortschaft radeln: klingt logisch, ja, idyllisch sogar. Ist es aber nicht: Auf Landstraßen gibt es keine Fahrradwege und die Autos brettern mitunter mit 100 km/h an Radfahrern vorbei. Was sich ändern müsste, damit künftig mehr Leute radfahren.
Nur 6 Prozent der Wege werden auf dem Land mit dem Fahrrad zurückgelegt. In deutschen Metropolen ist der Anteil mit durchschnittlich 15 Prozent deutlich höher. Und in traditionellen Fahrradstädten wie Münster sind es sogar 41 Prozent. Das zeigt die Befragung Fahrrad-Monitor 2025 vom Bundesministerium für Verkehr.
Dass in ländlichen Gegenden so wenig Rad gefahren wird, liegt nicht daran, dass die Menschen keine Lust darauf haben, sagt unser Reporter Paulus Müller. Im Gegenteil: Über die Hälfte der Befragten sagt, dass sie in Zukunft gerne mehr Rad fahren wollen.
Viel befahrene Landstraßen ohne Fahrradwege
Aber den meisten ist es einfach zu gefährlich, weiß Paulus Müller. Er ist selbst oft mit dem Fahrrad im ländlichen Raum unterwegs und kennt die Lage aus eigener Erfahrung. Er war zum Beispiel im Landkreis Gotha in Thüringen unterwegs. Viele Dörfer sind nur drei Kilometer voneinander entfernt. Oft gibt es auf den Landstraßen, die die Radfahrer nutzen müssen, weder Fahrradwege, noch Seitenstreifen.
"Um von Dorf zu Dorf fahren zu können, musst du auf der Landstraße fahren – da gibt es keinen Radweg, keinen Seitenstreifen und die Autos ballern mit 100 km/h da lang."
Dabei wären die Entfernungen, die man auf dem Land zurücklegen muss, um ans Ziel zu kommen, überschaubar: Etwa die Hälfte der Pkw-Fahrten im ländlichen Raum ist zehn Kilometer lang oder kürzer, erklärt der Geograf Tobias Klein vom Deutschen Institut für Urbanistik. Eine Distanz, die sich gut mit dem Fahrrad oder einem E-Bike bewältigen ließe, sagt er.
Zuständigkeiten für den Ausbau von Radwegen auf dem Land kompliziert
Dagmar Thume engagiert sich in ihrer Region für den Ausbau des Radwegenetzes. Die aktuelle Situation entspreche nicht den Vorgaben, die sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt habe, sagt sie. Ziel ist es, dass auch ein elfjähriges Kind, das die Regierung in ihrer Planung als "Laura" bezeichnet, angstfrei und unbeschadet als Radfahrerin am Verkehr teilnehmen kann.
Dafür müssten mehr Radwege gebaut werden – dabei gibt es aber gleich mehrere Schwierigkeiten: Den Kommunen fehlen Gelder, die meist ehrenamtlichen Bürgermeister haben nicht die Kapazitäten, um bürokratische Hürden zu überwinden und oft sind die Zuständigkeiten auf dem Land komplizierter geregelt als in der Stadt, die oft selbstständig entscheiden kann.
Für ein Radwegenetz, das Dörfer verbindet, müssten unterschiedliche Kommunen, Landkreise, das Land und bei Bundesstraßen dann auch noch der Bund an einen Tisch gebracht werden, beschreibt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Paulus Müller die Situation.
"Für ehrenamtliche Bürgermeister und Verwaltungen kaum zu machen: In vielen Kommunen fehlen die Gelder dafür und die Anträge für Bundes- und Landesmittel für Radverkehrsförderung sind oft sehr kompliziert."
Es gibt Bundesländer, die zeigen, wie man es anders machen kann, sagt Paulus Müller. In diesen Bundesländern muss jeder Kreis einen Radbeauftragten beschäftigen, der Verwaltung und Politik hilft: In erster Linie bei der Planung, bei Förderanträgen und bei der Entwicklung von Radnetzen. Dort, wo diese Unterstützung vorhanden ist, zeige sie auch Wirkung, sagt unser Reporter.
