Bald werden die nächsten Oscars vergeben. In der Nacht auf Montag (29.02.) ist es so weit. Eins steht schon fest: Diesmal gehen alle Oscars an weiße Schauspieler, denn es sind nur weiße Schauspieler nominiert. Und das zum zweiten Mal in Folge. Ist das Zufall oder bewusste Diskriminierung? Unser Korrespondent Wolfgang Stuflesser hat mit Schauspielern in Los Angeles gesprochen. Sein Fazit: nicht nur #OscarsSoWhite, sondern #HollywoodSoWhite.

"Es gibt Vorurteile in den Köpfen. Vielleicht gar nicht so eine bewusste Bevorzugung", sagt Wolfgang Stuflesser. Die Nominierungen für die Oscars werden von der Academy of Motion PicturesArts and Sciences ausgesprochen. Das ist ein Branchenverband der Filmschaffenden mit rund 6000 Mitgliedern: 94 Prozent sind weiß und 77 Prozent sind Männer. Das Durchschnittsalter liegt jenseits der 60. "Alte, weiße Männer sind natürlich nicht alle rassistisch", sagt Wolfgang. Aber die Filmwelt repräsentiert einfach nicht das Leben.

"Wenn ich in LA ins Kino gehe, dann spiegeln die Leute auf der Leinwand nicht die Hautfarben der Leute im Publikum wider."
Wolfgang Stuflesser ist unser Korrespondent in Los Angeles

"Jetzt bekommt die Academy den Ärger ab, aber die spiegelt nur die Filmbranche wider", sagt Wolfgang. Für schwarze Schauspieler zum Beispiel gebe es viel zu wenig komplexe und tiefgründige Rollen. Es bleiben die Nebenfiguren: die schwarze Freundin der weißen, komplexen Filmheldin zum Beispiel. Damit können schwarze Schauspieler aber auch keine Leistungen zeigen, um dann eben für einen Oscar nominiert zu werden.

Hollywood diskriminiert nicht nur nach Hautfarbe. "29 Prozent der Rollen, die man im Kino sieht, sind weiblich", sagt Wolfgang. Der Frauenanteil an der Bevölkerung ist natürlich viel höher. 2013 wurden von den finanzstarken Filmen nur 6 Prozent von Regisseurinnen gedreht. Diskutiert werden Quotenregelungen, zumindest für die Auswahlgespräche für den Regiestuhl.

Nicht nur #OscarsSoWhite, auch #HollywoodSoWhite

Bringen die aktuellen Diskussionen etwas? "Der Faktor Geld könnte die Leute zum Umdenken bringen", sagt Wolfgang. Ein Argument ist nämlich, das überwiegend weiße Publikum wolle keine Filme mit schwarzen Schauspielern sehen. Der neue Star-Wars-Film zeigt das Gegenteil: ethnisch bunt, sehr erfolgreich.

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