Ihr kennt es bestimmt: Die Papiertonne quillt mal wieder über. Der Onlinehandel boomt und damit auch der Kartonmüll. Für die Abfallwirtschaftsbetriebe ist das ein Problem. Sie wollen, dass sich die Onlinehändler stärker an den Kosten beteiligen, sagt unser Reporter Martin Schütz.

Ihr wollt nur alte Postkarten oder ein altes Magazin wegwerfen, aber die Papiertonne ist mal wieder voll. Und zwar mit Kartons. Drei, vier Kartons reichen teils schon, dass die Tonne überquillt. Das liegt nicht nur daran, dass die Nachbarn oft nicht richtig falten. Kartons haben einfach ein größeres Volumen als zum Beispiel Bücher oder Zeitungen.

Kartons verstopfen die Papiertonnen

Patrick Hasenkamp kennt die genauen Zahlen dazu. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands der Kommunalen Unternehmen und leitet die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster. Schaut man sich die Masse des Papiermülls insgesamt an, so Hasenkamp, machen Verpackungen aus dem Onlinehandel mittlerweile über 30 Prozent aus. Bezogen auf das Volumen des Papiermülls ergeben sich aber 64 und 71 Prozent. Das heißt, das Gewicht ist nicht das Problem, aber eben das Volumen, sagt unser Netzreporter Martin Schütz.

"Kartons machen mittlerweile die Hälfte des Inhalts von Papiertonnen aus."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Abfallwirtschaftsbetriebe sind genervt davon, dass die Papiertonnen überquellen. Auch, weil sie mit dem Wertstoff Papier Geld machen. Vor allem aber mit Zeitungen und Magazinen: Das Papier ist hochwertiger, aber passt eben oft nicht mehr in die Tonne rein.

Das Duale System zahlt für die Entsorgung von Verpackungen

Außerdem ist Papiermüll nicht gleich Papiermüll. Es wird unterschieden zwischen Papier - dazu gehören eben Zeitungen, Kataloge, Briefpapier und so weiter - und Verpackungen wie Kartons. Die Kartons kommen zwar auch in die Papiertonne, doch der Unterschied ist, wer für die Entsorgung zahlt.

Für die Kosten der Entsorgung sind zwei unterschiedliche Systeme zuständig:

  • Die Abfallwirtschaftsbetriebe sind zuständig für das Recycling und die Entsorgung von Papier. Die Kosten werden direkt vor allem von den Haushalten getragen, bei Mietern über die Nebenkosten.
  • Das duale System, also der Grüne Punkt, trägt die Kosten für das Recycling und die Entsorgung von Verpackungen - und dazu gehören auch die Kartons.
"Landet in den Papiertonnen weniger hochwertiges Papier, verdienen die Abfallwirtschaftsbetriebe weniger Geld."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Den Grünen Punkt tragen verschiedenste Unternehmen, die eben für die Entsorgung von Verpackungen zahlen: Ob das Produkt im Supermarkt verkauft wird oder online, sollte dabei keine Rolle spielen. Aber nicht alle Unternehmen zahlen überhaupt Gebühren an das Duale System, sagen die Abfallwirtschaftsbetriebe. Diese fordern, dass sich die Unternehmen stärker an den Kosten bei der Entsorgung der Verpackungen in den Papiertonnen beteiligen - eben weil der Onlinehandel boomt.

Das neue Verpackungsgesetz soll es regeln

Seit dem 1. Januar 2019 ist ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, das eine bessere Verteilung der Kosten bringen soll. Es soll auch ein Register aufgebaut werden, das die bereits zahlenden Unternehmen listet. Die Unternehmen, die nicht zahlen, sollen bestraft werden.

Aber natürlich sind auch die Verbraucher gefragt: Müllvermeidung ist auch eine gute Sache.

Mehr zum Thema:

  • Papiermüll dank Online-Handel auf Rekordhoch | Wer online ein Paket bestellt, bestellt gleichzeitig auch Müll mit. Die Verpackungen aus Papier und Pappe machen fast die Hälfte des Verpackungsmülls in Deutschland aus. Aber auch für dieses Problem gibt es bereits Lösungen.
  • Ohne Müll - Kerstin will es schaffen (unsere Serie) | Dass ein Leben ganz ohne Müll möglich sein soll, konnte sich Reporterin Kerstin nicht vorstellen. Dabei ist das Fehlen von Müll der natürliche Zustand der Erde.
  • Ab in die falsche Tonne | Branchenexperten schätzen, dass die Deutschen etwa 60 Prozent ihres Abfalls in die falsche Tonne werfen. Wir konnten das gar nicht glauben, weil wir uns alle für sehr gewissenhafte Müllentsorger halten. Aber durch das Gespräch mit einem Experten für Energierohstoffe ist uns klar geworden, dass es eigentlich schier unmöglich ist, richtig zu trennen.