Branchenexperten schätzen, dass die Deutschen etwa 60 Prozent ihres Abfalls in die falsche Tonne werfen. Wir konnten das gar nicht glauben, weil wir uns alle für sehr gewissenhafte Müllentsorger halten. Aber durch das Gespräch mit einem Experten für Energierohstoffe ist uns klar geworden, dass es eigentlich schier unmöglich ist, richtig zu trennen.

Beginnen wir mit einem absurden Beispiel: Wir haben erstens eine Alufolie vom Joghurtbecher und zweitens eine Alufolie, in die ein Butterbrot eingewickelt war. Was kommt in welche Tonne? Die Antwort, die uns logisch erschien: beides in die gelbe Tonne. Peter Quicker, Professor an der RWTH Aachen und Spezialist für Energierohstoffe, erklärt aber, dass der Joghurtdeckel in den gelben Sack gehört und die andere Alufolie in den Restmüll: "Physikalisch-technisch ist da natürlich kein Unterschied, das Ganze ist eine rechtliche Geschichte."

Der Grund: In den gelben Sack gehört offiziell nur, was einen Grünen Punkt hat. Zum Beispiel dürfen wir auch Papier und Pappe in den gelben Sack werfen - sofern sie mit dem Grünen Punkt ausgezeichnet sind. Wenn nicht, dann nicht. Hinzu kommt noch, dass diese Regeln sich von Kommune zu Kommune auch noch unterscheiden.

"Ich glaube, viele Leute haben schlichtweg ganz wenig Kenntnis darüber, was wohin kommt. Und Vielen ist es auch egal."
Peter Quicker, Professor an der RWTH Aachen und Spezialist für Energierohstoffe

Unser Müll wird dann übrigens teilweise recycelt und teilweise verbrannt. Recycling hört sich irgendwie besser an, aber auch Verbrennung ist nicht total schlecht, erklärt Peter Quicker, weil sich auf diese Weise eben der "letzte Dreck, den keiner mehr haben will oder nutzen kann", schadlos beseitigen lässt. Vor allem wird die dabei entstandene Energie dann auch wieder weiterverwendet.

"Die Verbrennung ist der Partner des Recyclings, weil natürlich wird bei einer vernünftigen Anlage dabei die Energie genutzt."
Peter Quicker, Professor an der RWTH Aachen und Spezialist für Energierohstoffe

Metalle, die in der Verbrennung landen, werden anschließend aus der verbleibenden Asche - oder auch Schlacke - herausgetrennt. Mit hohem Aufwand, aber auch mit einer hohen Qualität, erklärt Peter Quicker. Zerstört würden nur Schadstoffe, alles, was noch verwertbar ist, werde wieder in den Kreislauf zurückgeführt.

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