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Fehlinformationen und Verschwörungsmythen haben in der Corona-Pandemie Hochkonjunktur. Forschende wollen herausfinden, wie und mit welchen Folgen sie sich verbreiten und was sie glaubwürdig macht. Vorträge des Informatikers Tim A. Majchrzak und der Medienwissenschaftlerin Katharina Christ.

Fehlinformationen können ganz konkrete Folgen haben – wie etwa vor einiger Zeit, als Menschen in den USA Pferde-Wurmkur einnahmen, um sich gegen Covid-19 zu schützen, und so im Krankenhaus landeten.

Und sie können viel subtiler wirken, wenn auch nicht ungefährlicher. Etwa, indem Menschen verunsichert und verängstigt werden, die Gesellschaft gespaltet wird und Menschen sich aus falschen Gründen – es gibt, das sei hier eingeräumt, auch absolut legitime Gründe – nicht impfen lassen, und damit sich und andere unnötig gefährden.

"Unsere Hypothese: Die Ausbreitung von Covid-19 wird durch Fehlinformationen begünstigt."
Tim A. Majchrzak, Informatiker

Was lässt sich dagegen tun? Ein erster Schritt ist herauszufinden, wie sich Fake News und Verschwörungsmythen verbreiten und wie sie gestrickt sind, um Reichweite zu erzielen. Genau das untersuchen die beiden Vortragenden dieser Hörsaal-Folge.

Pandemie als "Infodemie"

Tim A. Majchrzak lehrt Informatik an der University of Agder, Norwegen. Er untersucht die Verbreitung von COVID-19-Fehlinformationen in sozialen Medien. Die Corona-Pandemie bezeichnet er als Infodemie: "Es verbreitet sich nicht nur ein Virus weiter, sondern es verbreiten sich auch Informationen weiter." – Und das gelte es sich genau anzusehen, um möglicherweise Konsequenzen daraus zu ziehen.

"Wir wollen die freie Meinungsäußerung beibehalten, aber gleichzeitig Schaden durch Fehlinformationen abwenden."
Tim A. Majchrzak, Informatiker

Die Medienwisschenschaftlerin Katharina Christ, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Trier, analysiert Verschwörungsmythen-Videos und untersucht, wie diese wahrgenommen werden. Ihr Ziel: Herauszufinden, was solche Clips glaubwürdig macht. Im Vortrag gibt sie Einblick in ihre laufenden Untersuchungen.

"Ein Glaubwürdigkeitsmarker, der besonders häufig vorkommt, ist die Anlehnung an Routinen, Begriffe oder Bilder aus den klassischen Medien."
Katharina Christ, Medienwissenschaftlerin

Tipp: Ihr könnt selbst dazu beitragen, dass Fehlinformationen sich nicht verbreiten. Es gibt einfache Tipps, wie man besser richtig und falsch unterscheiden kann und worauf man vor dem Teilen achten sollte. Außerdem könnt ihr Faktenchecker-Seiten nutzen, die oft geteilte Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen - hier eine Liste.

Infotafel der Bundeszentrale für Politische Bildung mit Tipps gegen Fake News
© cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Vorträge:

"Corona-Verschwörungstheorien und ihre Glaubwürdigkeit: Work-In-Progress-Einblicke in eine Mixed-Methods-Studie" lautet der Titel des Vortrags von Katharina Christ, "Verbreitung von COVID-19-Fehlinformationen in sozialen Medien" der von Tim A. Majchrzaks Beitrag.

Beide Vorträge wurden im Rahmen der interdisziplinären Tagung "Wissenschaftskommunikation und Informationsverhalten in der Corona-Pandemie" der Uni Hildesheim am 2. Juli 2021 aufgezeichnet. Eingeladen dazu hatte das Forschungsteam des Projekts "Wissenschaftsvermittlung in der Informationskrise um die COVID-19-Pandemie" kurz WinCO.

Zwei weitere Vorträge der Tagung haben wir in der letzen Hörsaal-Ausgabe gesendet.