Pia Lamberty hat Verschwörungserzählungen erforscht, wie sie entstehen und wer warum an sie glaubt. Von Theorien sollte man dabei besser nicht sprechen.

″Ich unterscheide zwischen Verschwörungs-Mythos und -Erzählung″, sagt Pia Lamberty. Die Psychologin und Doktorandin am Lehrstuhl Sozial- und Rechtspsychologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat zusammen mit Katharina Nocun das Buch ″Fake Facts″ geschrieben. Darin geht es unter anderem darum, wie Verschwörungserzählungen entstehen und Anhänger gewinnen.

″Ein Verschwörungsmythos ist eher ein übergeordnetes Narrativ wie etwa die jüdische Weltverschwörung″, sagt Lamberty. ″Dieser Mythos schlägt sich wiederum in konkreten Erzählungen nieder, die sich der jeweiligen Zeit anpassen.″

Lamberty vermeidet dabei das Wort Verschwörungstheorien eher, denn das Wesen einer Theorie sei es, dass sie überprüft werden können. Doch genau darum gehe es bei Verschwörungserzählungen nicht.

″Die Leute sind nicht doof oder verrückt – das verkennt das Problem.″
Pia Lamberty, Psychologin und Doktorandin am Lehrstuhl Sozial- und Rechtspsychologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

″Menschen, die einen starken Glauben an Verschwörung haben, ziehen sich aus der Demokratie zurück″, sagt Lamberty. ″Wer glaubt, die Welt wird von Echsenmenschen regiert, geht eben nicht mehr wählen.″

Die Psychologin hat unter anderem Verschwörungsmentalitäten untersucht, also das generalisierte Misstrauen gegen ″die da oben″. Dabei würden vor allem die Menschen an Verschwörungserzählungen glauben, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlten.

Auch schlimme einschneidende Erlebnisse im eigenen Leben könnten den Glauben an unlogische und negativ verallgemeinernde Narrative erhöhen. ″Die Menschen fühlen sich machtlos″, sagt Lamberty. ″Man sieht sich dann im Feindbild vereint.″ Das sei auch mit ein Grund dafür, warum bei Demonstrationen gegen die Corona-Einschränkungen sehr viele verschiedene Gruppierungen nebeneinander stehen würden.

″Verschwörungserzählungen können dabei helfen, die Welt zu strukturieren.″
Pia Lamberty, Psychologin und Doktorandin am Lehrstuhl Sozial- und Rechtspsychologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Zentral für eine Verschwörungserzählung sei dabei nicht nur die negative Intention der Erzählung, sondern häufig auch die selbstgewählte Minderheitenposition der Anhänger. Damit könne man sich selbst wieder besser fühlen. Man habe eben etwas verstanden, was die meisten nicht durchblicken würden, sagt Lamberty. Dabei scheint es egal zu sein, dass die angebotenen Erklärungen oftmals logische Lücken haben oder sich sogar widersprechen.

″Menschen glauben an Verschwörungserzählungen, die sich logisch ausschließen.″
Pia Lamberty, Psychologin und Doktorandin am Lehrstuhl Sozial- und Rechtspsychologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

In Eine Stunde Talk erzählt die Psychologin Pia Lamberty, wie Verschwörungserzählungen entstehen, was man im eigenen Umfeld dagegen tun kann und welche Drohungen sie erhält, wenn sie in der Öffentlichkeit über ihre Forschung spricht.