Lange wurde in Brüssel diskutiert und verhandelt. Dann stand fest: Die Staats- und Regierungschefs wollen Ursula von der Leyen als künftige EU-Kommissionschefin nominieren. Sie muss jetzt vom EU-Parlament gewählt werden. Ursula von der Leyen wurde als Merkel-Nachfolgerin gehandelt, auch als Nato-Generalsekretärin. Dass sie nun Chefin der EU-Kommission werden soll, hat viele überrascht. Auch weil der Job als Verteidigungsministerin zuletzt nicht besonders gut lief.

Die Staats- und Regierungschefs wollen Ursula von der Leyen als künftige Kommissionschefin nominieren. "Sie war die Frau, auf die sich alle verständigen konnten", sagt Peter Kapern, unser Korrespondent in Brüssel. Manfred Weber, einer der Spitzenkandidaten für den Posten, war vor allem an dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gescheitert. Und Frans Timmermans wurde von den osteuropäischen Staats- und Regierungschefs abgelehnt. Damit war klar, dass es jemand anderes braucht, auf den oder die sich alle verständigen könnten.

Peter Kapern, Dlf-Korrespondent Brüssel
"27 von 28 Staaten stimmten für die Nominierung von der Leyens. Nur Deutschland nicht."

Dass man sich schließlich auf Ursula von der Leyen verständigte, kam überraschend. Auch für Klaus Remme, unseren Hauptstadt-Korrespondent. Es gab Spekulationen, dass Ursula von der Leyen Nato-Generalsekretärin werden könnte, so Klaus Remme.

Ursula von der Leyen galt als Merkel-Nachfolgerin

Nicht zu vergessen, galt Ursula von der Leyen lange Zeit als mögliche Nachfolgerin von Angela Merkel. "Aber in den letzten Jahren als Verteidigungsministerin hat sie eben auch Federn gelassen", sagt Klaus Remme. Die Verteidigungsministerin war zuletzt nicht mehr im Gespräch als mögliche CDU-Kandidatin für das Kanzleramt.

Doch nun könnte sie neue EU-Kommissionspräsidentin werden. Sie spricht fließend Englisch und Französisch. Sie wurde in Brüssel geboren; ihr Vater war als Europapolitiker tätig. Vor allem aber bringt sie reichlich Erfahrung als Ministerin mit, so Klaus Remme. Sie war Arbeits-, Familien- und Verteidigungsministerin.

"Ursula von der Leyen hat enorme Regierungserfahrung."
Klaus Remme, Dlf-Hauptstadtstudio

Außerdem habe von der Leyen bewiesen, dass sie mit öffentlichem Druck umgehen kann. Gerade auf dem Posten als Verteidigungsministerin – und sie war die erste Frau. Ursula von der Leyen habe sich rasch in die Themen und Aufgaben eingearbeitet, so Klaus Remme. "Sie hat eine steile Lernkurve."

Aber Ursula von der Leyen steht auch in der Kritik. Vor allem geht es dabei um die Skandale um Beschaffungen des Verteidigungsministeriums. Ein Untersuchungsausschuss wurde deshalb eingesetzt. Von der Leyen hatte auf viele Berater von außen gesetzt, doch diese Hilfe wurde zur Affäre. Als es um Franko A. und Rechtsextremismus in der Bundeswehr ging, hatte die CDU-Politikerin einen Generalverdacht geäußert. Die Truppe habe ein Haltungsproblem. Auch das hatte ihr viel Kritik eingebracht.

Das Verteidigungsministerium ist ein schwieriger Posten

Aber der Job im Bendlerblock, also im Verteidigungsministerium, sei kein einfacher so Klaus Remme. Dass Ursula von der Leyen fünf Jahre das Amt inne hatte, das zeige, dass sie politischem Druck gewachsen sei. Wer lange im Verteidigungsministerium durchhält, habe eben Chancen auf andere Ämter.