Verwesungsprozess

Leichen bewegen sich noch monatelang

Eine Studie aus Australien belegt, dass sich Leichen noch monatelang bewegen. Die Forschenden sind eher zufällig darauf gestoßen. Eigentlich wollten sie mehr darüber erfahren, wie die toten Körper verwesen.

Wie läuft der Verwesungsprozess einer Leiche ab? Forschende aus Australien wollten das genauer untersuchen und Daten sammeln, denn tatsächlich gibt es kaum Material dazu, wie der Prozess unter australischen Bedingungen abläuft. Umfangreiche Untersuchungen hierzu gibt es unter anderem aus den USA, wo sogenannte "Bodyfarmen" zur Erforschung von Leichen errichtet wurden. Auf dieses Datenmaterial müssen Forensiker zurückgreifen. Das Problem ist aber, dass diese Daten nicht unbedingt direkt übertragbar sind, weil je nach Bodenbeschaffenheit, Klima oder existierenden Insekten der Verwesungsprozess unterschiedlich abläuft. Auch in Deutschland wurde deshalb im Rhein-Main-Gebiet eine Bodyfarm eingerichtet.

Forschende beobachteten Leiche beim Verwesen

In Australien verlief die Untersuchung so, dass eine Leiche auf den Boden gelegt wurde. Um diese Leiche, die von einem freiwilligen Spender kam, stand ein großer Käfig, der verhindern sollte, dass die Zersetzung des toten Körpers durch äußere Einflüsse wie Aasfresser gestört wurde. Auf die Leiche waren mehrere Kameras gerichtet, die über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg jede halbe Stunde bei Tageslicht eine Aufnahme machten.

Bei der Auswertung der Fotos fiel den Forschenden auf, dass sich die Position der Leiche während des Verwesungsprozesses veränderte. Darum nehmen die Wissenschaftler an, dass sich tote Körper auch Monate nach dem Tod noch bewegen. Im konkreten Fall hatten sich die Arme bewegt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Peter Neuhaus.

"Auf den Fotos war zu sehen, dass Arme, die erst nah am Körper waren, nach einiger Zeit relativ weit neben dem Körper lagen. Die Arme breiteten sich also aus."
Peter Neuhaus, Deutschlandfunk Nova

Die Beobachtung der Forschenden aus Australien kann für Ermittlungen bei Mordfällen wichtig sein, denn bisher ging man davon aus, dass sich die Position einer Leiche nicht verändert, sofern es keine Beweise dafür gibt, dass entweder ein Mensch oder ein Tier die Leiche bewegt haben.

Nachdem die Aufnahmen mit der Zeitraffer-Kamera aber zeigen, dass sich die Leiche im Verlauf der Verwesung bewegt, haben die Forschenden überlegt, woran das liegen könnte. Ihre Erklärung: Sie gehen davon aus, dass im frühen Stadium Gase die Bewegungen der Leiche auslösen. Dass sich aber auch Gliedmaßen bewegen habe andere Gründe. Die Studienleiterin sagt, dass während des Verwesungsprozesses Bänder austrocknen. Dadurch schrumpfe der Körper oder bilde sich zurück. Auch das könne die Bewegungen verursachen.