Trump macht auf Twitter Stimmung gegen Muslime. Er verbreitet Videos der ultrarechten britischen Gruppierung "Britain First" - und die freut sich. Kritik der britischen Regierung ist Trump egal, er keilt zurück: natürlich per Tweet. Unser Netzreporter Michael Gessat über Trump und die Videos.

US-Präsident Donald Trump twittert gerne, das ist bekannt. Auf Twitter folgen ihm über 40 Millionen User. Der Präsident nutzt den Kurznachrichtendienst gerne, um direkt die Öffentlichkeit zu adressieren - denn Trump hat ein Problem mit vielen Medien. Er mag sie nicht.

Gestern (29.11.) hat der US-Präsident drei Videos retweeted und damit Stimmung gegen Muslime gemacht. 

  • Ein Video zeigt eine Gewalttat aus dem Jahr 2013 im ägyptischen Alexandria. Zu sehen ist, wie mutmaßliche Anhänger der Muslimbrüder einen jungen Mann von einem Dach stoßen und zu Tode prügeln. Die Täter wurden später ermittelt und verurteilt - es gab eine Hinrichtung.
  • Auf einem anderen Video zerstört ein Mann eine Marienstatue. Das Video stammt wohl aus Syrien.
  • Das dritte Video ist in den Niederlanden aufgenommen worden: Es zeigt, wie ein Jugendlicher von einem anderen angegriffen und geschlagen wird. Im Begleittext heißt es, dass ein niederländischer Junge mit Krücken von einem muslimischen Migranten verprügelt wird. Doch der Schläger ist kein Zuwanderer: Er wurde in den Niederlanden geboren und ist dort aufgewachsen. Er wurde für die Tat bestraft.

Das Video aus den Niederlanden zeigt den Jungen, der geschlagen wird, unverpixelt. Alle Videos sind weiterhin auf Twitter verlinkt.

Kritik aus London

Für die Verbreitung der Videos wurde Trump scharf kritisiert. Unter anderem aus London, von Premierministerin Theresa May. Ihr Sprecher sagte: "Es ist falsch vom US-Präsidenten, das getan zu haben." Trump antwortete dazu direkt - natürlich per Twitter.

May solle sich nicht um Trump kümmern, sondern um den zerstörerischen radikal-islamischen Terrorismus im Vereinigten Königreich. "Wir kommen schon klar!", schrieb Trump.

Trump bleibt mit den Retweets der Videos seiner Methode treu: Nachrichten ungeprüft raushauen, die von Millionen gelesen und weiterverbreitet werden. Ob die Inhalte wahr sind oder nicht, scheint egal. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, verteidigte Trump. Es sei egal, ob die Videos echt seien, die Gefahr sei echt, sagte sie.

Doch Kritik an Trumps Retweets kam nicht nur aus London. In den USA wird ebenso diskutiert und gewarnt. Unter anderem meldete sich die US-amerikanische Organisation "Anti-Defamation League" zu Wort. Die Retweets würden Extremisten ermutigen, ihren Hass weiterzuverbreiten.