Videokonferenzen geben uns zurzeit ungewohnte Einblicke in die Privatsphäre anderer. Darum sollten wir uns Gedanken darüber machen, vor welchem Hintergrund wir uns inszenieren, meint Medienwissenschaftler Moritz Stock.

Eine Videokonferenz mit dem Arbeitgeber steht an. Aber was ist der passendste Hintergrund in der Wohnung? Ein neutrales Bücherregal? Die Ecke mit den vielen Pflanzen? Oder lieber einer dieser lustigen voreingestellten Palmenhintergründe?

Egal, welchen Hintergrund wir wählen, wir kommunizieren damit etwas. Wir können über die bewusste Auswahl des Hintergrunds unsere Identität in bestimmter Art und Weise zeigen, erklärt Medienwissenschaftler Moritz Stock von der Universität Siegen.

"Es ist schon eine Form der Identitätsdarstellung, die über unterschiedliche Hintergründe passieren kann."
Moritz Stock, Medienwissenschaftler von der Universität Siegen

Dabei sollten wir immer daran denken, ob der Hintergrund auch zum Anlass der Videokonferenz passt, und wie viel wir überhaupt von unserem privaten Raum und damit von uns preisgeben wollen.

Selbst-Inszenierung durch Videohintergrund

Im Endeffekt sei jeder Hintergrund auch nur ein Bild, das eine Geschichte erzähle, so Moritz Stock. Man könne also nicht nicht kommunizieren. Ein oft gesehener Bildausschnitt: Das Bücherregal. Damit könne man sich beispielsweise als gebildete und kulturell versierte Person inszenieren.

"Man kann sich als kulturell versierte Person inszenieren, indem man sich vor eine Bücherwand setzt."
Moritz Stock, Medienwissenschaftler von der Universität Siegen

Wer sich dagegen in ein chaotisches Wohnzimmer setzte, könne sich als Familienmensch zeigen, sagt Moritz Stock. Und wer die perfekt eingerichtete Ecke seiner Wohnung auswählt, kann sich als Einrichtungsprofi darstellen.

Der Twitteraccount "Room Rater" bewertet auf humorvolle Art und Weise die Einrichtungen von Interviewgästen, die aus dem Home-Office in US-amerikanische Fernsehsendungen zugeschaltet waren.

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Bei all dem Spaß an lustigen oder stylischen Hintergründen, sollten wir immer selbstkritisch bleiben und uns fragen, wie viel wir gerade von uns selbst zeigen und ob wir das überhaupt wollen, rät Medienwissenschaftler Moritz Stock. Das ist besonders wichtig, wenn es um Meetings mit Arbeitskollegen geht. Denn auch im Home Office sollte man eine Grenze zwischen Berufs- und Privatsphäre ziehen.

"Wie viel zeigt man eigentlich von sich selbst? Inwieweit will man auch die eigenen Arbeitskollegen in den Privatraum hineinblicken lassen? Wie lassen sich auch wieder Grenzen ziehen zwischen Berufs- und Privatsphäre?"
Moritz Stock, Medienwissenschaftler von der Universität Siegen

Vor dem Start der nächsten Konferenz sollten wir also kurz überlegen, ob das Bücherregal oder das private Foto im Hintergrund, das vermittelt, was wir über uns aussagen wollen. Eine Videokonferenz aus dem Bett oder dem unaufgeräumten Zimmer ist demnach vielleicht für Familie und Freunde passend, für den Arbeitgeber aber vermutlich eher nicht.