Der Videokonferenzdienst Zoom erfreut sich gerade großer Beliebtheit. Doch die Kritik an Zoom häuft sich: Nach an Facebook weitergegebenen Nutzerdaten folgen nun unerwünschte Pornos.

Gerade erst erntete Zoom heftige Kritik, weil der Videokonferenzdienst heimlich Nutzerdaten an Facebook weitergeleitet hatte. Jetzt sorgt die Plattform für neue Negativschlagzeilen: "Zoombombing" nennt sich das Ganze und hat mit der Split-Screen-Funktion von Zoom zu tun.

Der Bildschirm lässt sich teilen, um neben den Webcam-Streams noch eine andere Videoquelle einzuspielen. Das kann zum Beispiel ein Demo-Film oder eine Powerpoint-Präsentation sein. Aktuell schleusen Trolle dort allerdings Harcore-Pornos ein. Die bekommen dann alle Teilnehmer zu sehen.

"Trolle machen sich den Spaß, sich bei ernsthaften Zoom-Konferenzen einzuloggen und dann plötzlich Hardcore-Pornos einzuspielen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wirklich witzig ist das nicht. Wegen solcher und ähnlicher Einspielungen mussten in den USA schon virtuelle Wahlkampfveranstaltungen und eine Tech-Gründerinnenkonferenz abgebrochen werden. Andere Trolle blenden auch Nazi-Symbole ein oder fangen an, die oder den gerade Vortragenden rassistisch oder sexistisch zu beleidigen.

Die Generalstaatsanwältin in New York hat deshalb einen Brief an Zoom geschrieben. Sie sei besorgt, ob die Firma sich denn ausreichend um die IT-Sicherheit gegen Konferenz-Hacker und Trolle kümmern würde.

Problem: Öffentliche Zugangslinks

Zoom kann das Bombing allerdings nur schwer verhindern. Denn bei den meisten Konferenzen wird der Zugangslink meist öffentlich herumgeschickt. Zwar lassen sich bei Zoom auch passwortgeschützte Konferenzen veranstalten. Bei diesen ist dann aber der Teilnehmerkreis begrenzt, und niemand kann spontan dazukommen.

Keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Dass Zoom selbst Störer sucht und entfernt, geht aus Datenschutz- und Privatsphäre-Gründen nicht, sagt das Unternehmen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat findet diese Begründung nicht sonderlich überzeugend: Denn die angebliche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es bei Zoom gar nicht. Sie würde bedeuten, dass die Firma, selbst wenn sie es wollte, auf keinen Fall in eine Videokonferenz reinschauen kann.

Zoom interpretiert den Begriff aber scheinbar anders, sagt Michael Gessat. Bei Zoom ist nur die Übertragung jeweils vom User zu Zoom und dann wieder von Zoom zu den anderen Konferenzteilnehmern verschlüsselt. Zoom hätte also durchaus die Möglichkeit, regulativ einzugreifen.

"Überlegt euch, ob ihr Zoom nutzen wollt. Datenschutz steht da nicht gerade ganz oben auf der Prioritäten-Liste."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter