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Die Inzidenz in Deutschland ist zur Zeit vergleichsweise gering (Stand 26.Juli 2021). Weltweit jedoch steigen die Corona-Inzidenzwerte wieder. Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth warnt vor der Entwicklung. Denn zu hohe Zahlen stellen das Gesundheitssystem vor Probleme. Und diese Entwicklung spielt neben den Inzidenzzahlen eine wichtige Rolle.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt bereits, dass die Zahlen in Deutschland nun sehr schnell steigen könnten. "Sollte sich der derzeitige Anstieg bei den Inzidenzwerten unverändert fortsetzen, wären wir im September bei 400. Und im Oktober bei 800", so der CDU-Politiker in Berlin.

Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth geht jedoch nicht davon aus, dass der Wert in Deutschland bis Oktober so stark steigt. Er sagt, dass es sich bei der Aussage des Gesundheitsministers eher um ein mögliches Schreckensszenario handelt.

"Diese 800 als Inzidenz im Oktober: Das ist ein Schreckensszenario, das aufrütteln soll. Es kann tatsächlich passieren. Aber nur, wenn wir sofort alle Impfspritzen wegschmeißen und gleichzeitig alles aufmachen. Unabhängig davon gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass es eine vierte Welle geben wird."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Aktuell sei nur die Hälfte der Bevölkerung geschützt, sagt Wildermuth. Auf dieser Grundlage habe das Robert-Koch-Institut verschiedene Szenarien durchgerechnet. So gehe das Institut davon aus, dass die Zahlen ab Oktober tatsächlich steigen werden, erklärt Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Zum Jahreswechsel könnte die Inzidenz die 400-Grenze überschreiten. Es muss aber nicht so kommen, bekräftigt Wildermuth.

"Das Robert-Koch-Institut hat für diesen Fall aber zwei Bedingungen beachtet. Zum einen, wie es mit den Impfungen weitergeht. Die Experten und Expertinnen sagen, dass die über 60-Jährigen fast alle geimpft sind. Entscheidend sei die Gruppe der 12- bis 60-Jährigen."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Es müsse erreicht werden, dass mindestens dreiviertel der 12- bis 60-Jährigen komplett geschützt sind, gibt Volkart Wildermuth die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts wieder. Das sei die Voraussetzung des Robert-Koch-Instituts in der Prognose. Andererseits müssten die Leute wieder auf das Verhalten des Virus reagieren. Bislang haben sich die Menschen klug verhalten, so Volkart Wildermuth.

"Wenn die Inzidenzen den Wert von 100 oder 200 überschreiten, haben die Leute von alleine ihre Kontakte reduziert. Das haben sie gemacht, bevor es von Behörden mit Vorschriften verlangt wurde. Von daher bin ich optimistisch."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Das Verhalten der Menschen sei noch effektiver in der Pandemiebekämpfung als die Impfung, so der Wissenschaftsjournalist.

Wert von 200 unproblematisch aufgrund der Impfungen

Volkart Wildermuth erklärt, es sei schwierig zu schätzen, wie hoch Inzidenzen seit dem Anlaufen der Impfkampagne steigen dürften, ohne dass das Gesundheitssystem zusammenbricht. Außerdem - so weiter - dass einige Experten einen Wert von 200 für unproblematisch hielten, wenn die Bevölkerung vollständig geimpft ist.

"Es ist aber schwer, das zu schätzen. Deswegen guckt sich das Robert-Koch-Institut eine Reihe von Zahlen an. Dass es wirklich wieder so kommt, dass 5.000 Covid-Patienten gleichzeitig auf den Intensiv-Stationen behandelt werden müssen – das sollte wirklich nicht so sein."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Das Robert-Koch-Institut rechnet Szenarien durch, bei denen 1.000 bis 2.000 Personen auf den Intensivstationen behandelt werden, erklärt Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. "Da kommt es auf die Impfquote an. Wenn 85 Prozent der Untersechzigjährigen geimpft sind, können Intensivstationen bis zu 1.000 Patienten wegstecken."

Wildermuth betont, dass Impfungen nicht komplett vor einer Covid-19-Infektion schützen. Auch eine geimpfte Person könne die Krankheit übertragen. Mit einer Impfung habe die Krankheit in den meisten Fällen jedoch einen milden Verlauf.

"Bei den Szenarien des Robert-Koch-Instituts ist es so, dass die Hälfte der Intensivpatienten unter 60 Jahre sein wird. Es gilt auch für jüngere Menschen: Wer sich impfen lässt, schützt sich selber"
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Corona-Todesfälle in Großbritannien steigen

In Großbritannien liege die Inzidenz aktuell bei über 500, sagt Wildermuth. Man sehe dort, dass die Menschen häufiger ins Krankenhaus kommen. Die Zahl der Corona-Todesfälle steige in Großbritannien. Dies geschehe jedoch auf einem viel niedrigeren Niveau als bei der letzten Welle.

"Die Impfungen verhindern schwere Krankheitsverläufe zu etwa 90 Prozent. Das heißt, dass eine 80-jährige Person ohne Impfung eine 10-prozentige Chance hat, zu sterben. Mit Impfung reduziert sich die Todesrate für die Altersgruppe auf ein Prozent. Die Welle wird um den Faktor zehn gedrückt. Darauf müssen wir uns einstellen."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Volkart Wildermuth fasst seine Beobachtungen so zusammen: "Je mehr Viren unterwegs ist, desto häufiger stecken sich sowohl geimpfte als auch nicht-geimpfte Personen an. Es kommt daher gelegentlich auch zu schweren Verläufen und Todesfällen."

"Ab einer Inzidenz von 400 kann es auch bei uns wieder zu Problemen kommen. Das sagt der Mobilitätsforscher der Mobilitätsforscher Jan Nagel von der TU Dortmund."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist