Vor fünf Jahren sind Kim-Loan Nguyễn und Michael Kredics von Stuttgart nach Vietnam ausgewandert und haben ein kleines Hotel eröffnet. Alles lief super - dann kam die Coronavirus-Pandemie. Die Stornierungswelle hat ihren Traum kurzfristig beendet.

Bis März 2020 war das kleine Hotel "Happy Bird" in Zentralvietnam fast immer ausgebucht, sagen Kim-Loan Nguyễn und Michael Kredics. Sie haben sich immer gerne um ihre Gäste gekümmert.

Der Tourismus in Vietnam fällt aus

Doch dann hat auch sie die Coronavirus-Pandemie erreicht. Nicht nur Deutschland hat Reisewarnungen ausgesprochen. Die Folge: keine Touristen mehr - und auch nicht im "Happy Bird". "Wir hatten seit April keine Gäste mehr aus Deutschland. Das hat uns hart getroffen", sagt der 36-jährige Michael Kredics.

"Wir hatten das ganze Jahr hindurch Buchungen. Dieser eine Tag hat eine Stornierungswelle ausgelöst. Da mussten wir schon kurz schlucken."
Michael Kredics

Zunächst blieben ihnen noch ein paar deutsche Gäste, die nicht mehr rechtzeitig einen Rückflug erreicht hatten. Später wurden sie mit dem Flieger der Bundesregierung zurückgebracht. Dann waren Michael und Kim allein in ihrem Hostel. Ganz ohne Gäste.

An einem leeren Strand von Zentralvietnam stehen zwei leere Liegen mit Sonnenschirm.
© privat
Kim und Michael hatten quasi den Strand für sich allein. Die Touristen durften nicht mehr reisen.

Zu Beginn haben sie die Ruhe genossen; sie hatten mehr Zeit für sich. "Aber nach zwei, drei Wochen fängt es an, langweilig zu werden", sagt Michael.

Vor allem: Sie haben auch kein Geld mehr verdient. Doch die beiden hatten eine gute Idee: In Vietnam ist schon zu Beginn der Pandemie eine Maskenpflicht eingeführt worden, als in Deutschland noch diskutiert wurde. Mit Freunden in Stuttgart haben sie ein kleines Modelabel gestartet, lassen in Vietnam Masken nähen und exportieren diese nach Deutschland. Mit dem Gewinn haben sie bislang den Verlust aus dem kleinen Hotel decken können. Doch mittlerweile werden kaum noch Masken nachgefragt, so Michael.

Zurück nach Deutschland – aber auf Zeit

Die beiden haben beschlossen, Ende Oktober nach Hause zu fliegen. "Wir wollen das hier nicht aufgeben", sagt die 34-jährige Kim. Aber sie wollen die Zeit ohne Touristen nutzen, um Zeit in Deutschland zu verbringen. Seit zwei Jahren waren sie nicht mehr dort. Aber klar ist auch, dass sie wieder in das "Happy Bird" zurück kehren. "Wir kommen zurück, wenn die Touristen wieder kommen", sagt Kim.