Auf der beliebten Second-Hand-Plattform Vinted finden User*innen immer öfter günstige neue Schuhe und Klamotten. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte erklärt, warum dahinter oft eine perfide Betrugsmasche steckt und was das mit dem Händler Zalando zu tun hat.

Früher hieß die Plattform Vinted Kleiderkreisel. Auch wenn sich der Name geändert hat, die App ist die Gleiche. In Deutschland nutzen sie laut dem Spiegel alleine elf Millionen Menschen, um ihren Kleiderschrank zu entrümpeln oder neu zu befüllen. Sie bieten dort Schuhe, Kleidung, Taschen oder Sonnenbrillen privat zum Kauf oder Tausch an.

Die meisten dieser Sachen sind gebraucht. Doch in letzter Zeit findet sich auch immer mal wieder Neuware auf dem Portal. Wenn die besonders günstig ist, sollten User*innen skeptisch sein. Denn dann könnte sich dahinter eine neue Betrugsmasche verbergen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Datenklau über Vinted-App

"Vinted scheint ein Problem mit der sogenannten Zalando-Masche zu haben", sagt sie. Das hat der Spiegel anhand der Story einer pseudonymisierten Nutzerin namens Marie recherchiert. Sie hatte bei Vinted sehr günstige neue Markenschuhe entdeckt und diese sogar noch auf 45 Euro runter gehandelt.

Doch nach ein paar Tagen erhielt Marie ein Paket in einem Zalando-Karton. Wie versprochen enthielt der Karton die neuen Schuhe – aber auch eine Rechnung von Zalando über 160 Euro. Die Betrüger*innen hatten sich ihre Daten genommen, die sie bei Vinted für den Kauf angegeben hatte. Damit hatten sie bei Zalando unter Maries Namen die Schuhe zum normalen Preis bestellt und ihr schicken lassen.

Wenig Daten nötig für Zalando-Konto

Für eine Kontoeröffnung bei Zalando benötigt man nämlich nur eine Adresse und irgendeine Mail-Adresse. "Man muss zwar auch ein Geburtsdatum angeben, aber ob das stimmt, ist wahrscheinlich kaum zu überprüfen", sagt Martina Schulte. Marie sollte zusätzlich zu den 45 Euro Kaufpreis bei Vinted nun also noch mal 160 Euro an Zalando bezahlen. Die 45 Euro wollte der Betrüger oder die Betrügerin kassieren.

"Mich hätte die Masche eiskalt erwischt, weil ich Sachen bei Vinted meist per Paypal zahle oder überweise, weil es bequemer, billiger und schneller ist."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte über die "Zalando Masche"

Marie hatte Glück, denn sie hatte den Kauf über das Bezahlsystem von Vinted abgewickelt – etwas, das einige User*innen aus Zeit-, Geld oder Bequemlichlichkeitsgründen oft nicht machen, wie Martina Schulte sagt. Wenn Nutzer*innen über das Bezahlsystem innerhalb von zwei Tagen einen Betrug melden, bekommen sie ihr Geld zurück. Auch das Zalando-Paket konnte Marie zurückschicken und musste es so auch nicht bezahlen.

Die Masche ist den Firmen bekannt

Dass Maries Geschichte kein Einzelfall ist, zeigt auch ein Blick in das Vinted-Forum, wo diese Art des Betrugs als Zalando-Masche beschrieben wird, so die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin. "Manche Foreneinträge berichten davon, dass sie von den Tätern zusätzlich noch bedroht worden seien, als sie versuchten, das Geld zurückzufordern", sagt Martina Schulte. "Man kenne ja ihre Adresse."

Nach Spiegel-Recherchen werden bei manchen Schuhmarken bei Vinted nach wie vor Hunderte verdächtig günstige Schuhe angeboten. Beiden Firmen ist die Betrugsmasche bekannt. "Vinted sagt, man soll das hauseigene Abrechnungssystem mit Käuferschutz nutzen", erklärt die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin.

Dort könne man wie Marie solch betrügerische Transaktionen stornieren. "Bei einem 'Großteil der Fälle' von Kund*innen, die ungewollte Zalando-Sendungen bekommen haben, ist angeblich auch so gehandelt worden", sagt Martina Schulte. Auch Zalando kennt das Problem. Dort nimmt man offenbar solche Pakete via Retourenschein zurück und löscht die falschen Kundenkonten.