Ganz Deutschland glüht. Jede Bewegung wird zur scheinbar unüberwindbaren Anstrengung. Und da ist es umso beeindruckender, wenn Schwalben und Mauersegler im Höchsttempo durch Häuserschluchten jagen. Genauso respekteinflößend: Möwen, die sich selbst bei Sturm am Atlantikstrand scheinbar mühelos in die Luft erheben. Was diese Flugakrobaten gemeinsam haben: Sie haben schwarze Flügel.

Ein Forschungsteam der Uni Gent in Belgien hat herausgefunden: Vögel mit schwarzen Flügeln fliegen effizienter. Die Forschenden vermuten, dass das etwas mit der Sonne zu tun hat, erklärt Ann-Kathrin Horn aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Schwarze, also dunkle Flügel, heizen sich mehr auf. Und bei wärmeren Flügeloberflächen gibt es weniger Reibungswiderstand beim Flug, sagen die Forschenden.

"Vermutlich ist gerade die Kombi aus weißem Körper und schwarzen Flügelspitzen gut."
Ann-Kathrin Horn, Nachrichtenredakteurin bei Deutschlandfunk Nova

Das Forscherteam aus Gent hat das mit mehreren Methoden gemessen: Unter anderem haben sie Fischadler mit Wärmebildkameras beobachtet. Sie wollten wissen, welche Oberflächentemperatur die Federn haben. Dann haben sie Flügel gebastelt und dabei Federn mehrerer Vogelarten verwendet, von Fischadlern und Möwen zum Beispiel, also relativ großen Vögeln, die nicht flattern, sondern eher in der Luft segeln. Diese nachgebauten Flügel haben sie in einen Windkanal gesteckt, dann erwärmt, und geprüft, wie sich die Federn bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten verhalten.

Das Ergebnis: An der Form der Federn selbst ändert sich nichts, aber es gab große Temperaturunterschiede. Die Forschenden haben die Federn mit Infrarotlicht bestrahlt, das die Sonne simuliert. Zwischen weißen und schwarzen Federn maßen sie einen Temperaturunterschied von ungefähr neun Grad Celsius. Die Folge: Luft kann schneller über den Flügel ziehen. Das heißt, es gibt weniger Luftwiderstand, und damit wird der Flug effektiver. Kurz: Der Vogel braucht zum Fliegen weniger Energie und fliegt vielleicht sogar schneller.

Kombination aus schwarzen und weißen Federn erleichtert Fliegen

Was auffällig ist: Möwen und Fischadler sind nicht komplett schwarz, sondern nur an den Flügeln. Vermutlich ist gerade diese Kombination aus weißem Körper und schwarzen Flügelspitzen besonders geeignet, vermuten die Forschenden. Am Körper selbst sind die Federn hell und werden erst an den Flügeln dunkel.

Der Vorteil: Der Körper wird nicht so warm. Und durch den Temperaturunterschied zwischen den hellen Federn direkt am Körper und den schwarzen Federn in der Mitte und an der Spitze, entstehen Strömungen, die das Fliegen erleichtern. Die Luft zieht so nämlich von den kühleren Stellen zu den wärmeren Stellen. Die Folge: Der Luftstrom rund um die Flügel wird verstärkt, es gibt mehr Auftrieb. Und damit geht das Fliegen oder Segeln leichter. Wie das mit dem Auftrieb genau funktioniert, soll noch im Detail untersucht werden.