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Jedes Jahr sterben zahlreiche Vögel in den Rotoren der Windkraftanlagen. Die Versuche, die Tiere davor zu schützen, sind vielfältig: von schwarz bemalten Rotoren bis hin zu intelligenten Kamerasystemen.

Greifvögel gehören weltweit zu den häufigsten Opfern von Windkraftanlagen. In Deutschland sind es vor allem Rotmilane, Wiesenweihen und Seeadler – allesamt Vögel, deren Bestand zum Teil stark gefährdet ist, sagt der Biologe Mario Ludwig.

"Weltweit gehören vor allem Greifvögel zu den häufigsten Opfern von Windkraftanlagen."
Mario Ludwig, Biologe

Das Problem: Die Vögel erkennen die unsichtbare Gefahr häufig viel zu spät. Viele Hersteller versuchen allerdings Windkraftanlagen trotz ihrer Größe so unauffällig wie möglich zu gestalten, da sich viele Menschen an ihnen stören, so Mario Ludwig.

Oft wird deshalb auf graue Farbe zurückgegriffen, denn Tests hätten gezeigt, dass diese den besten visuellen Eindruck machten, erklärt Mario Ludwig. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass unter anderem die Farbe der Rotoren eine entscheidende Komponente ist, wenn es um die Sichtbarkeit von Windkraftanlagen auch für Vögel geht.

Ein schwarzer Erkennungsstreifen

Forschende aus Norwegen haben deshalb zu einer offensichtlichen Lösung gegriffen: In einem Windpark auf der Insel Smøla, die sehr vogelreich ist, haben sie bei vier Windkraftanlagen jeweils ein Rotorblatt schwarz angestrichen.

Laut der Forschenden konnten die Vögel die Rotoren besser erkennen, wenn ein einzelnes Blatt schwarz angestrichen war. Denn sind alle Rotorblätter weiß, sehen die Vögel nur eine verwischte Scheibe und erkennen in ihr keine Gefahr. Durch die schwarze Farbe wird diese Scheibenoptik aufgelöst und die Vögel erkennen das Hindernis, so Mario Ludwig.

"Die Vögel erkennen bei weiß angestrichenen Rotoren nicht mehr die einzelnen Flügel, sondern sehen das alles als eine Art verwischte Scheibe. Sie erkennen also die Gefahr nicht, die da lauert."
Mario Ludwig, Biologe

Die Bilanz: Fast 72 Prozent weniger Vögel sind laut der Forschenden in der Windkraftanlage gestorben.

Intelligente Kamerasysteme sollen System vorwarnen

Forschende von der amerikanischen Naturschutzorganisation The Peregrine Fund haben zusammen mit einer amerikanischen Firma eine etwas komplexere Herangehensweise gewählt: Ein Kamerasystem soll Großvögel, die sich einem Windpark nähern, identifizieren können: Je nachdem, in welche Richtung sich ein Vogel bewegt, soll sich das System der betroffenen Turbinen abschalten können. Nach einem Jahr Testphase kam heraus, dass die Zahl der von Rotoren erschlagenen Adler um 80 Prozent gesunken war.

Ein Kamerasystem, um Greifvögel vor Windrädern zu beschützen
© IMAGO | Arnulf Hettrich
Auch in der Schwäbischen Alb wurde das Kamerasystem getestet

Erkennung auf bis zu einem Kilometer Entfernung

Das Kamerasystem kann laut dem Hersteller die Vögel auf bis zu einem Kilometer Entfernung sicher identifizieren. So bleibt dem Windrad einige Sekunden Zeit, um sich zu verlangsamen oder ganz anzuhalten, erklärt Mario Ludwig.

Ein Manko des Systems: die Kosten. Das Gerät kostet inklusive der Installation 150.000 Dollar. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 8.000 Dollar pro Anlage.