Ein Impfstoff und Sars-CoV-2 verschwindet? Der Virologe John Ziebuhr hat Zweifel daran und erklärt, warum die Neu-Infektion von bereits Infizierten das sehr unwahrscheinlich macht.

Das ist eine denkbar schlechte Nachricht: Wer sich mit Sars-CoV-2 infiziert hat, kann sich offenbar erneut anstecken. In Hongkong, Belgien und in den Niederlanden sind Fälle solcher Wiederansteckungen bekannt geworden. Immerhin: Die Wahrscheinlichkeit dafür sei gering, teilt die Weltgesundheitsorganisation mit.

Re-Infektion mehrfach nachgewiesen

John Ziebuhr ist Virologe und lehrt an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Fälle von Wiederansteckung sind für ihn gut nachvollziehbar und gut dokumentiert – insbesondere der Fall in Hongkong. Der Fachartikel ist in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases veröffentlicht worden. Das Erbgut des Virus bei der zweiten Infektion dieses Patienten, sei eindeutig ein anderes als bei der Erstinfektion mit Sars-CoV-2, sagt John Ziebuhr.

"Diese Änderungen beweisen, dass es sich hier um ein anderes Virus als bei der ersten Infektion gehandelt haben muss."

Der Mann hatte bei beiden Infektionen keine Krankheitssymptome, es sei aber mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er infektiös war, also andere anstecken und das Virus erneut verbreiten konnte, sagt John Ziebuhr. Grundsätzlich sei das relativ schnelle Verschwinden der Antikörper ein Problem. Neuinfektionen sind für den Virologen bei Coronaviren – wie bei vielen Erkältungsviren auch – recht normal.

"Das ist leider das Problem bei diesen Viren, dass die lokale Immunität im Nasenrachenraum nicht besonders langlebig ist"

Umgekehrt lasse sich daraus schließen, dass sich Sars-CoV-2 dauerhaft in der menschlichen Bevölkerung etabliere. Der Impfstoffforschung dürften diese nachgewiesenen Reinfektionen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. John Ziebuhr sagt: "Es ist eine relativ große Herausforderung für die Impfstoffentwicklung, einen langfristigen Immunschutz sicherzustellen."

Re-Immunisierung erforderlich

Voraussichtlich müssten gefährdete Bevölkerungsgruppen in relativ kurzen Abständen wieder und wieder immunisiert werden, wenn denn eines Tages Impfstoffe zur Verfügung stehen, meint John Ziebuhr. Medizinisches Personal könne sich nicht darauf verlassen, langfristige Immunität zu erwerben.

"Das Virus wird immer wieder Gelegenheiten finden, auf Menschen zu treffen, die nicht mehr immun sind. Selbst wenn sie die Infektion schon durchgemacht haben."