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An vielen Unis startet heute die Vorlesungszeit. Es ist bereits das dritte Corona-Semester: Die meisten Hörsäle und Seminarräume bleiben nach wie vor leer, das Lehren und Lernen findet überwiegend im Netz statt.

Ein paar Ausnahmen gibt es. Mehr Präsenzveranstaltungen werden im Sommersemester 2021 etwa an der Uni Rostock ausprobiert. Die Blockveranstaltungen werden durch zwei PCR-Tests in der Woche ermöglicht, erzählt Konrad, der in Rostock evangelische Theologie und Theater auf Lehramt studiert. Die Kosten dafür übernimmt die Hochschule, das sei ein Privileg.

Zu große Gruppen, zu wenig Räume

Tatsächlich sind Lösungen wie diese nur möglich in kleinen Gruppen und wenn die nötigen Räume dafür vorhanden sind. In der Regel ist das aber genau umgekehrt, weiß Bildungsexperte Armin Himmelrath: Die Lerngruppen sind zu groß und es gibt eben keine geeigneten Räumlichkeiten für sie. Etliche Hörsäle haben nicht einmal Fenster, um zu lüften. Das alles führt natürlich zu Frust.

"Alle Beteiligten sind frustriert. Lehrende und Studierende wollen mehr Präsenz. Das funktioniert aber nicht in den Hochschulen, weil dann eben das Infektionsrisiko steigt."

Das Wort "Hybridsemester" wird vor allem benutzt, weil viele Unis und Hochschulen hoffen, dass sich die Grundvoraussetzungen während des heute beginnenden Semesters ändern werden: Dass also mehr Menschen geimpft sein werden, dass das Testen vielleicht noch einfacher und günstiger wird – und dass dadurch dann eben irgendwann im Laufe des Semesters wieder mehr Präsenz möglich ist. Vor Pfingsten rechnet allerdings niemand damit.

Besserung ab Pfingsten?

Die Online-Seminare und Online-Vorlesungen gehen also erst mal weiter. Wer dann noch Filmwissenschaften studiert, wie zum Beispiel Lotti an der Uni Frankfurt, deren oder dessen tägliche Bildschirmzeit kann dann schon mal ordentlich durch die Decke gehen. Zu den Seminaren und Vorlesungen kommen dann noch die Filme dazu, die man schauen muss. Ganz zu schweigen vom privaten Film- und Serienkonsum.

"Ich gucke es mir am besten gar nicht an, wie immens hoch meine Bildschirmzeit gerade ist."
Lotti, Studentin der Filmwissenschaft in Frankfurt

Vor allem Studierende in Studiengängen, die vom gemeinsamen Austausch, vom miteinander Lernen und einem hohen Praxisanteil geprägt sind, haben Nachteile durch die Corona-Semester: Ein Sportstudium ist zum Beispiel schwierig im Wohnzimmer. Und Lehramt-Studierende sollten so früh wie möglich einmal vor einer Klasse gestanden haben, um herauszufinden, ob das tatsächlich etwas ist, womit sie sich wohlfühlen. Das alles geht aber nun halt gerade nicht. Und das jetzt im dritten Semester – was bei vielen Bachelorstudiengängen ja schon das halbe Studium ist.

Manche Studiengänge weniger betroffen

Dass die Qualität der Lehre generell unter der Pandemie leidet, kann man aber auch nicht so festschreiben, sagt Sebastian Sonntag von Deutschlandfunk Nova. Es gebe nämlich auch Studiengänge bei denen die Einschränkungen gar nicht so einen großen Einfluss hätten. Josephine macht etwa gerade ihren Master in Automatisierungstechnik an der RWTH in Aachen. Sie kommt ganz gut klar, hat sie uns erzählt. Die RWTH lege ohnehin einen relativ großen Wert auf das Selbststudium: Vorlesungen seien teilweise voraufgezeichnet, das ermögliche ein flexibles Lernen, theoretisch von überall auf der Welt. Viele Studierende, etwa aus Indien, machten auf diese Weise ein Fernstudium. Wenn viel online stattfindet, hat das also auch Vorteile.

Hauptproblem: Das Soziale fehlt

Was aber natürlich trotzdem fehlt – Selbst- oder Fernstudium hin oder her – sind soziale Kontakte. Diese lassen sich mit Online-Meetings nicht ersetzen. "Die Sorgen der Studierenden sind vor allem sozialer Art", bestätigt unter anderem die Universität Düsseldorf. Im Uni-Alltag vor Corona hätten sie Kummer und Tipps untereinander ausgetauscht. Diese Selbstverständlichkeit sei nun seit geraumer Zeit weggefallen. Die Universität versuche dies telefonisch oder durch digitale Kanäle aufzufangen. "Aber natürlich sind die Möglichkeiten begrenzt."